Der Vogel in der Kunst

Je mehr ich das Bild betrachte, desto stärker wandert mein Blick vom Gesicht der alten, schäbig aussehenden Frau zur Eule auf ihrer Schulter. Die Eule steht hier für Trunkenheit und schlechtes, vulgäres Benehmen. Im 18. Jh. gab es den Ausdruck „Betrunken wie eine Eule“. Das Bild hängt in der Gemäldegalerie in Berlin, wurde 1630 von Frans Hals gemalt und heißt Malle Babbe1, 2. Eulen gelten auch als weise wegen ihrer geschärften Sinne und ihrer Nachtsichtfähigkeiten, die bereits die alten Griechen faszinierten. Die Eule war das Begleittier der Göttin Athene, der Schutzgöttin Athens und der Göttin der Weisheit.

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Es muss nicht immer Gans sein

Was gibt es denn bei Dir am Heiligen Abend zu essen? In manchen Familien sind ja Würstchen mit Kartoffelsalat Tradition. Oder Karpfen mit Kartoffelsalat. In meiner Kindheit gab es erst große Aufregung, weil wir Kinder nicht ins Wohnzimmer durften, denn der Baum wurde von den Eltern geschmückt und sollte eine Überraschung werden (er sah jedes Jahr gleich aus). Dann kam die Bescherung, der sich ein 3-Gänge-Menü anschloss, eine sündige Völlerei. Denn um 23:00 Uhr wankten wir alle schlaftrunken und mit gefüllten Bäuchen in die Christmette. So war es viele Jahre „Familientradition“. Heute erlebe ich das ganz anders. Ich beschreibe mal, wie wir den Heiligen Abend wahrscheinlich feiern.

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Lerne die Stille zu lieben

Als ich zum Beginn einer Retrospektive eine einminütige (!) Fokus-Übung gemacht hatte, bemerkte danach ein Teilnehmer, dass er sich an diese „esoterischen“ Übungen nie gewöhnen könne. Ein kleiner Disput zwischen uns ging dann auch über Stille und wie schwer sich viele Menschen tun, Stille auszuhalten. Stille zu lieben hat nichts mit Esoterik zu tun.

Als Moderatorin bin ich eine Freundin der Stille geworden. Und mein Weg dahin war nicht einfach. Ich rede nämlich gerne und leidenschaftlich, bin manchmal impulsiv und zu schnell für andere. Durch viel Erfahrung habe ich gelernt, still zu sein und sehr aufmerksam zuzuhören, vor allem wenn ein anderer spricht. Wenn Du einige Kollegen von mir fragen würdest, ob ich Fortschritte gemacht habe, werden die Dir vermutlich sagen, sie übt noch. So sehe ich es auch, es ist eine fortwährende Übung, still zu werden und zu bleiben. Ich freue mich über jeden Schritt, den ich in Richtung Stille und weg von lauter Überflutung gehe.

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Crime Scene Vorgarten (Teil 3)

Von Kindermördern und Ruhestörern

In meiner Nähe brüten auch einige Turmfalken. Sie sind übrigens nicht mit den Greifvögeln verwandt, sondern mit Papageien. Einmal aufmerksam gemacht auf diese Besonderheit, kann man einige Parallelen der beiden Arten feststellen, z. B. in Flug, Fortbewegung auf der Erde und Schnabelbau. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Turmfalken legen ihre Eier, ebenso wie Meisen, in Abständen von einigen Tagen, sodass sich schon einige Kinder weiter entwickelt haben, als die Nachzügler. Das hat zur Folge, dass die älteren lauter um Nahrung betteln und somit schneller bedient werden und schneller wachsen. Und in Jahren des Mangels, wie zum Beispiel dieses Jahr 2022, werden dann nur noch die älteren gefüttert. Die Jüngeren verhungern. Das ist eine Überlebensstrategie der Vögel, die sich Kainismus nennt. Auch von Störchen ist dieses Verhalten bekannt, wenn in ihrem Brutgebiet Nahrungsknappheit herrscht.

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Crime Scene Vorgarten (Teil 2)

Von Betrügern, Räubern und Henkern

Die hier erzählten Geschichten sind nichts für zarte Gemüter. Es geht nach menschlichen Moralvorstellungen um die Abkehr jeglichen ethischen Verhaltens und den tiefen Abgrund sozialer Machenschaften. Es wird richtig böse im Vogel-Reich. Überlegen Sie daher nochmal genau: Wollen Sie wirklich weiterlesen? Ich habe Sie gewarnt…

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Materiezustand mit zweiter Zeitdimension macht Quantenrechner robuster

Als ich den Titel kürzlich in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift entdeckte, dachte ich erst mal: Häh? (hessisch für Waaaaas????) Ich verstehe die einzelnen Worte, aber ich weiß nicht, was sie zusammen bedeuten.

Ich erinnere mich an eine Episode, als mein Bruder zufällig in meinem Büro stand und mitbekam, wie ich mit einem Kollegen über ein aktuelles IT-Projekt sprach. Als der Kollege den Raum verlassen hatte, fragte mein Bruder: „Worüber habt ihr da eigentlich gesprochen? Ich habe gar nichts verstanden. Wie redet ihr denn?“ Er ist Jurist und damit in seiner eigenen Sprache zu Hause.

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Crime Scene Vorgarten (Teil 1)

Vom Grauen in der Natur

Russischer Bär

Es geht hier nicht um die verschiedenen Grau-Töne der Wolken beim Heranschieben einer gewaltigen Gewitterfront, obwohl auch dieses Naturspektakel einen Artikel im Harlekin wert sein könnte, vor allem, wenn sich am Himmel ein Wolkentheater befindet (schauen Sie mal nach oben und entdecken Sie, wie ich, Ihre Oma als wolkigen Scherenschnitt). Und es geht auch nicht um Mücken, die ja als grauen-volle Blutsauger von Säugetieren bekannt sind und damit auch Krankheiten übertragen. Und es geht auch nicht um Zecken, die auch noch, einmal festgebissen im Säugetier, immer größer werden und die nur vorkommen bis zu einer Höhe von 1.200 m.

Heute geht es tatsächlich um Krimis, um SM-Praktiken, Vorgaukelei und Betrügereien. Und das alles in der Natur. Und es geht um kleine und kleinste Lebewesen, die sich mit Tricks, Tücke und Schliche in einer Welt voll Fressen und Gefressen werden zu behaupten versuchen.

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Mein Lieblingsvogel

Ich besuche Freunde in Hamburg, die im 5. Stock eines modernen Hauses mit kleiner Gartenanlage leben. Und früh morgens um 4:30 Uhr weckt mich das durchdringende Gezwitscher meines Lieblingsvogels Troglodytes troglodytes. Bei dem tierischen Wecker handelt es sich um den im Verhältnis zu seiner Körpergröße (ca. 10 cm) lautesten Krakeeler (zwischen 40 bis zu 90 Dezibel!) im ornithologischen Reich der Vielfalt: mein Lieblingsvogel ist der Zaunkönig. Mit seinem beim Singen immer aufgestellten Schwanz wirkt er ganz schön selbstbewusst. Das Männchen singt laut schmetternd „mit Trillern und Rollern und endet aprupt. Er (der Gesang) setzt sich aus etwa 130 verschiedenen Lauten zusammen.“ (Wikipedia)

Nach einer sehr alten Fabel scheint er wohl auch ein Trickser zu sein, der gerne mal andere Tiere reinlegt.  Damit er der Rache der Geschädigten entgeht, soll er sich weitgehend in Hecken und Sträuchern aufhalten. Ob Trickser oder nicht, ich mag den kleinen Kerl, auch morgens um 4:30 Uhr, wenn er als erster in der Dämmerung den Vogelgesang-Reigen eröffnet.  

Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl

Ich bin keine Fachkraft für IT-Fragestellungen, aber seit vielen Jahren als Agile Coach und Organisationsentwicklerin im IT-Umfeld zu Hause. Das Buch mit dem oben genannten Titel kann ich vor allem „Nicht-ITlern“ wie mir empfehlen, die sich mit der kryptischen und nicht leicht zugänglichen Thematik der Künstlichen Intelligenz und den dazugehörigen Algorithmen näher beschäftigen möchten. In lockerer Sprache erklärt uns die Autorin, was Algorithmen sind, wie sie funktionieren, welche Schwierigkeiten die uneingeschränkte Nutzung von Algorithmen mit sich bringt und an welchem Punkt wir Einfluss auf die unkontrollierte Nutzung nehmen können (und müssen). Katharina Zweig ist Informatikprofessorin an der TU Kaiserslautern. Dort leitet sie das Algorithm Accountability Lab und hat den deutschlandweit einmaligen Studiengang „Sozioinformatik“ ins Leben gerufen.

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Gestalten des beruflichen Ausstiegs

Dies ist ein weiterer Beitrag unseres Gastautors Christoph Henties, der für treue Leserinnen und Leser des harlekin.blog kein Unbekannter ist. Dankeschön, Christoph!

Den nächsten Schritt planen

Das Ende ist mein Anfang, so der Titel des autobiografischen Spiegel-Bestsellers von Tiziano Terzani. Das Buch ist eine Hymne auf die Möglichkeit zu sein, was man will. Der Journalist und Schriftsteller beginnt ein wunderbares Gespräch über das Wagnis der Freiheit, über Mut, Liebe, Krankheit und Trauer, über die Vergänglichkeit, Momente der Schönheit und wie man lernt, loszulassen.

Der Wechsel in neue berufliche Aufgaben fällt nicht leicht. Arbeiten in bekannten Strukturen und Organisationen mit vertrauten Menschen durch Neues zu ersetzen und Neugier für das Ungewohnte zu entwickeln, ist eine Herausforderung. Jedem, der öfter mal seine Berufstätigkeit wechselte, fällt das leichter.

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