Godot in der Warteschlange (Teil 2)

Warten und Projekte

Wie bereits im ersten Teil ausgeführt, bringt die Ablösung des Wartens vom Stimulus Ungewissheit im Hinblick auf die Eintrittswahrscheinlichkeit mit sich, was durch zeitliche Ausdehnung noch gesteigert wird.

Ein Beispiel: Im Projekt wird erkannt, dass die Komplexität deutlich höher als erwartet ist, was per se eine erhöhte Wahrscheinlichkeit des Scheiterns mit sich bringt. Die sogenannte ‘Entgrenzung’, also die dem Menschen vorbehaltenen Ressourcen beim Warten, umfasst nach aktuellem Forschungsstand Handlungsfreiheit, Selbststimulierung, zeitliche Reichweite und Kommunizierbarkeit.

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Godot in der Warteschlange (Teil 1)

Die Wahrnehmung von Wartezeiten

Schon die unterschiedlichen Weisheiten zum Thema «Warten» zeigen die Ambivalenz der Wahrnehmung. Während die einen den positiven Aspekt betonen (Leo Tolstoi: ‘Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann’), kehren die anderen eher den ungeduldigen Aspekt hervor (Damaris Wieser: ‘Auf etwas zu warten, nimmt uns nur die Zeit, die wir später nicht mehr haben, wenn wir sie brauchen.’).

Warten ist das „Erleben von Zeit“ und daher verwundert die Ambivalenz auch nicht. Wer Kinder hat, weiss um das „Wann sind wir endlich da?“ bereits nach etwa drei Minuten Fahrzeit, was gerne im Wechsel mit «Ich muss mal!» verwendet wird, was aber nichts zur Sache tut. Der kritische Leser mag anführen, dass es in diesem Beispiel um Langeweile, also erzwungenes Nichtstun gepaart mit Unterforderung, geht, was aber auch eine Form von Warten ist, nur in verschärfter Form. Im gleichen Fahrzeug freuen sich aber die Eltern über die begonnenen Ferien (Vorfreude).

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Am Anfang war das Wort…

am Ende die Phrase (Stanislav Jerzy Lec)

Habe ich noch vor kurzem behauptet, dass ‘Resilienz’ zum neuen Tausendsassa und damit in den Olymp-Wortschatz jedes Projektmanagementkundigen aufgestiegen ist, so muss ich mich korrigieren.

Vor kurzem war ich eingeladen, auf dem World Project Management Forum in Indien zu sprechen. Virtuell natürlich. Und da es unhöflich ist, nur zu sprechen und nicht auch anderen Sprechern zu lauschen, habe ich pflichtgemäss einigen Vorträgen beigewohnt. (Zugegebenermassen nicht allen, wegen der Zeitdifferenz, die mich gezwungen hätte, um 5 Uhr in der Früh schon vor dem PC zu sitzen.) Ausserdem kommt es bei den Zuhörern oberaffengeil an, wenn man auf vorherige Beiträge Bezug nehmen kann, denn das vermittelt jede Menge Kompetenz und zeigt, dass man der famosen Gemeinschaft der Sprechergilde angehört.

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Die Resilienz des Truthahns an Thanksgiving

Es gibt ein weiteres Zauberwort in der magischen Welt des Projektmanagements: Resilienz. Zumindest ist das mein Eindruck, basierend auf der Nennungshäufigkeit in Blogs wie diesem, Fachportalen, Artikeln und so weiter. Ob IPMA oder PMI, überall taucht der Begriff als zentrale Fähigkeit zur Führung von Projekten, aber auch als Projekteigenschaft auf. Wikipedia definiert Resilienz als «psychische Widerstandsfähigkeit». Eine kurze Internetrecherche zeigt, dass hier kein Klischee ausgelassen wird und dass beim Buzzword-Bingo keine Freude aufkommt, weil immer zu schnell einer Bingo rufen kann.

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Grosse Geister unter sich

… und ein paar kleine sind auch mit dabei

Liebe Zuhörer, ich darf Sie begrüssen zu unserem Live-Feature hier bei Harlekin-Radio zum Thema «Verschwörungstheorien und Fake News». Natürlich haben wir wieder Gäste eingeladen, die ich Ihnen gleich vorstellen werde, aber bitte beteiligen Sie sich auch direkt. Unsere Leitungen sind bereits seit einer Stunde geschaltet und wir freuen uns auf Ihre Beiträge. Mein Name ist der Harlekin vom Zürichsee und heute darf ich als Gäste begrüssen: Mark Twain, Frank Zappa und Oscar Wilde.

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Das Kreuz mit den Entscheidungen

Oft bringen mich Dinge zum Schreiben, die mir negativ auffallen. Nicht zwingend nur Ärgernisse. Häufig geht es dabei darum, dass es sich Menschen zu einfach machen. Immer wieder fällt mir beispielsweise auf, dass auf vielen Hinweistafeln die Rechtschreibung falsch ist, oder Journalisten, die ja gerade diesbezüglich geschult sein sollten, Dativ und Genetiv nicht unterscheiden können. Ich bin weder Germanist noch Sprachenreinhaltungsfetischist, aber ich bin der Ansicht, dass es nicht schadet, sich zumindest Mühe zu geben bei dem, was man tut. Das macht eigene Äusserungen und eigenes Handeln auch deutlich glaubwürdiger.  

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Spielplatzgespräche

Unlängst frönte ich auf unserer Dachterrasse dem Nichtstun. Unterhalb der Terrasse befindet sich ein hauseigener Spielplatz, der nicht nur ausschliesslich von Kindern, sondern auch deren Aufsicht pflegenden Eltern sehr gerne genutzt wird. Schon vor Corona nutzten diese die Kinderbeaufsichtigung gerne auch zur Kommunikation untereinander. Nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen hat sich dies eher noch verstärkt.

Nun lässt sich nicht vermeiden, dass wegen des hohen Geräuschpegels der Brut deren Erzeuger diese noch übertönen müssen, um sich gegenseitig verständlich zu machen. Dies führt wiederum dazu, dass deren Gespräche zwangsläufig von mir mitgehört werden müssen. Daraus nun ein bemerkenswerter Auszug (Gedächtnisprotokoll). 

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