Was man sagt und was man tut… (2)

… im Fokus der Glaubwürdigkeit

Hier geht’s zurück zur Einleitung. In diesem Beitrag betrachten wir den Sachverhalt in Bezug auf Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit gegenüber einer Person, die in einer vorbereiteten Rede Äußerungen loslässt und sich dafür später entschuldigt und Glaubwürdigkeit gegenüber einem System, das No-Racism usw. pressewirksam adressiert.

Abstrahiert betrachtet könnte man auch sagen, das Schema dahinter ist: sag A, mach B. Das wiederum erinnert mich an ein Verhalten, das man leider auch häufig in Unternehmen findet: Man arbeitet besonders nachhaltig, hat eine soziale Verantwortung, fördert Equal-Pay usw. Ein wichtiger Aspekt hier erscheint mir die Motivation, die häufig hinter solchen Themen steckt. Warum ist soziale Verantwortung in manchen Bereichen so wichtig, oder: wichtiger als in anderen Bereichen? Zurück zu Herrn Tönnies könnte man sagen: Fußball ist nach wie vor ein Breitensport, genießt durch alle Bevölkerungsschichten eine hohe Aufmerksamkeit. Wenn sich dann Würdenträger Funktionäre derart verhalten, welches Beispiel geben sie anderen? Kann man da noch von Vorbildern sprechen? Wohl kaum.

Schauen wir uns die andere Seite an: Glaubwürdigkeit des Systems, der Verbände, der Organe. Auch hier könnte ich von Motivation sprechen. Oder aber von Attraktivität. Ohne solche Organe und ohne die Verbände kann ein System wie der Fußball nicht funktionieren. Da geht es dann für mich eher um Attraktivität, damit auch andere diese Ämter ausüben wollen (bis hinunter in den Amateursport, der häufig unter zu geringer Beteiligung leidet).

Beiden Aspekten (Person und System) kann am Ende folgendes passieren: Ich als Harlekin glaube ihnen nicht, halte sie nicht für authentisch, fühle mich unwohl. Da kommt mal wieder das alte Sprichwort zum Tragen: love it, change it or leave it. Mit meiner Wertvorstellung kann ich das nicht tolerieren (=love), ändern kann ich es definitiv auch nicht (=change) – bzw. höchstens im kleinen Maßstab in meiner direkten Umgebung. Also bleibt nur Spaltung (=leave), leider eine gesellschaftliche Tendenz, die momentan viel zu häufig zu Tage tritt.

Was denkt Ihr?

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4 Gedanken zu „Was man sagt und was man tut… (2)“

  1. Lieber Mathias.
    Danke für deine anregenden Artikel.
    Die beiden Texte führen mich zu der Frage, ob ich Künstler und seine Kunst trennen kann.
    Darf ich Musik von Michael Jackson hören? Darf ich Spielfilme mit Kevin Spacey schauen? Darf ich mir Opernaufnahmen mit Placido Domingo anschauen? Darf ich die Spiele von Schalke 04 noch verfolgen?. Bisher trenne ich Kunst und Künstler. Warum?
    Weil ich die Musik mag und finde, Kevin Spacey ist ein genialer Schauspieler? Und weil ich als Fan gerne die Bundesliga verfolge?
    Ich denke, so einfach ist es nicht.
    Ich verabscheue der Genannten Verhalten, blende aber gleichzeitig dieses Verhalten aus, damit ich an ihrer Kunst festhalten kann. Ich müsste mich ja umstellen, wenn ich konsequent wäre.
    Mir wird immer deutlicher, dass ein übergriffiges und diffamierendes Verhalten gesellschaftsfähig geworden ist, leider auch gelebt in dem einen oder anderen Unternehmen. Warum halte ich also an Institutionen fest, die Menschenunwürdiges zulassen?
    Ich kann die Personen nicht ändern, lieben tu ich sie ganz gewiss nicht, aber verlassen käme auch nicht in Frage. Wie komme ich raus aus dem Trilemma? Gar nicht. Ich mache das, was Millionen andere auch machen: ich ignoriere und verabscheue gleichzeitig. Und ich rechtfertige es rhetorisch geschickt. Dadurch beruhige ich mein Gewissen und muss nicht auf irgendwas Liebgewonnenes verzichten. Und trage schweigend mit dazu bei, dass dieses miese Verhalten auch weiter akzeptiert bleibt. Schöne Scheiße…

    1. Hallo Heike,
      ja, Du hast sehr schöne Beispiele genannt und Dein Dilemma ist auch meins 🙂
      Diese innere Zerrissenheit führt letztlich genau zu dem Phänomen, dass Du beschreibst und ich habe darauf natürlich keine (pauschale) Antwort. Ich kann Dir nur schreiben, wie ich mich verhalte: selektiv mal so, mal so. Ich versuche also zu entscheiden, wann ich selbst konsequent sein will und wann ich bereit bin, ein solches Verhalten zu tolerieren. Man könnte auch sagen: wann ist genug bei mir genug?

      Darauf gibt es keine Patentantwort und es ändert sich auch je nach Situation (und ich bin nur Mensch, also hängt es auch von meinen Launen ab). Ich versuche also je nach Kontext zu entscheiden und je nach Rolle, in der ich bin. Für dieses Detail würde ich mich freuen, wenn Peter (Ueberfeldt) demnächst einen Artikel schreibt, mit dem hatte ich nämlich auch eine ähnliche Diskussion.

      Und btw.: die letzten Tage war es wieder in der Presse, die 3 Monate von Hr. Tönnies sind nämlich rum und man freut sich auf seine Rückkehr: https://www.kicker.de/761964/artikel

      Zum Schluss noch: trotzdem habe ich gestern Fussball geguckt (Europa League), allerdings bewusster resp. mit einem anderen Blickwinkel. Und eine Konsequenz bei mir: ich gucke seltener. Letztlich steht für mich aber nicht im Vordergrund Fussball oder Musik oder xyz zu verbieten oder nicht mehr zu machen. Drüber reden sollte man aber schon, auch um klar zu machen dass es so nicht geht und dass es nicht akzeptiert wird.

      1. Jetzt fühle ich ich weniger allein. (;-) Wir sollten öfter über diese Haltungen und Gefühle sprechen, damit wir unsere Wahrnehmung schärfen und das Bewusstsein schulen. Und es lebe die gesunde Debatte.
        Ja, ich verfolge den Fußball auch (obwohl ich mich gerade gestern Abend geärgert habe, aber das ist ein anderes Thema!). Und ich höre auch weiter Oper. Aber ich entscheide was ich schaue und höre. Und dabei kann mir Bewusstheit helfen.
        Schönes Wochenende.

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