Spielplatzgespräche

Unlängst frönte ich auf unserer Dachterrasse dem Nichtstun. Unterhalb der Terrasse befindet sich ein hauseigener Spielplatz, der nicht nur ausschliesslich von Kindern, sondern auch deren Aufsicht pflegenden Eltern sehr gerne genutzt wird. Schon vor Corona nutzten diese die Kinderbeaufsichtigung gerne auch zur Kommunikation untereinander. Nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen hat sich dies eher noch verstärkt.

Nun lässt sich nicht vermeiden, dass wegen des hohen Geräuschpegels der Brut deren Erzeuger diese noch übertönen müssen, um sich gegenseitig verständlich zu machen. Dies führt wiederum dazu, dass deren Gespräche zwangsläufig von mir mitgehört werden müssen. Daraus nun ein bemerkenswerter Auszug (Gedächtnisprotokoll). 

Vater 1: «So bekommen wir das nicht nachhaltig aufgegleist. Die Sache ist einfach noch nicht rund. Da müssen wir meiner Meinung nach nochmal in den Abstimmungsprozess mit den Entscheidern und die ins Boot holen. Auf Augenhöhe.»

Vater 2: «Da bin ich völlig d’accord mit Dir. Bisher war die Performance suboptimal. Einfach zu wenig Macherqualitäten bisher. Synergien, added value und Quick-Wins aufzeigen. Und ein sauberer Business Case.»

Vater 3: «Paul! Lass die Katze in Ruhe und lass Deine Schwester aus dem Planschbecken!»

Vater 1: «Wir müssen einfach proaktiver werden und uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren. Eigentlich müsste das bei unserer Credibility ein No-Brainer sein.»

Vater 3:  «Paul! Lass Deine Schwester in Ruhe und lass die Katze aus dem Planschbecken!»

Vater 2: «Wie ein gutes Sales-Team. Ein auf die Zielgruppe adaptiertes Wording und machen. Schliesslich gibt es einer VUCA-World keine langfristigen Strategien!»

Vater 3: «Paul! Lass das Planschbecken in Ruhe hole Deine Schwester aus der Katze!»

Vater 1: «Agiles Design Thinking? Mit Personas und so?»

Vater 2: «Zu viel Overhead bei der engen Deadline. Und da müssten wir uns auch nochmal aufschlauen.  Am besten direkt auf der Tonspur rüberbringen. Storytelling vielleicht.»

Vater 1: «Dazu müssten wir uns erst noch mit den Buddies rückkoppeln. Viel zu schlechte Connectivity in dieser Location hier».

Vater 2: «Lasst uns nochmals die Major Risks anschauen. Was haben wir da auf dem Radar und wie changeanfällig ist das Outcome?»

Vater 1: «Monetarisierung ist not weak, aber Outplacement könnte drohen.»

Vater 2: «Anyway. Ich bin für Gas geben. Aber wie languagen wir das? Ich denke Du solltest da in den Lead gehen. Deine Performance und Zielorientierung sind outstanding.»

Vater 3: «Claudia! Was ist jetzt mit der gemeinsamen Zeltübernachtung der Kinder?»

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rge

Autor: rge

Hallo, ich bin Rüdiger Geist, der rge.harlekin vom Zürichsee. Als Politikwissenschaftler verlor ich sehr schnell den Glauben an Rationalität und den homo oeconomicus. Also suchte ich mir was Handfesteres und Logischeres: die Informatik. Feste Regeln, unmittelbares Feedback vom Compiler und nicht viel mit Menschen zu tun haben. Ihr erahnt es schon, es kam ganz anders. Schnell wurde ich zum Projektleiter ernannt, hörte sich auch toll an, wusste aber nicht so genau was das eigentlich ist. So nach etwa drei Jahrzehnten im Umfeld von Projekten meine ich nun zu wissen worum es da geht und so trage ich nun meine Erkenntnisse seit 2005 mittels eigenem Unternehmen in die Welt hinaus, ja sogar in die EU. Es gibt so viele schöne Zitate, die die unterschiedlichsten Facetten des Projektmanagements beschreiben und ich nutze sie gerne. Aber das beste stammt natürlich von mir selbst: Der Zweck des Projektmanagement ist «no surprises».

2 Gedanken zu „Spielplatzgespräche“

  1. Wunderbar! Das musste mal geschrieben werden!
    Habe auch mehrere Jahre über einem Kindergarten gewohnt und viel gelernt aus den Gesprächen, vor allem denen der Kinder!

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