Das Würstchen ohne Pelle – Wissenswertes über die niederländische „frikandel“

In meiner Reihe über niederländische „Spezialitäten“ bin ich Ihnen bisher noch die frikandel schuldig geblieben. Das wird sich heute ändern.

Die frikandel ist der am häufigsten verzehrte fritierte Snack in den Niederlanden (er schlägt sogar kroket und bitterbal!) und das erste, was Sie darüber wissen müssen, ist daß sie über-haupt-gar-nichts! mit der deutschen Frikadelle zu tun hat! Die frikandel ist eine Art Würstchen ohne Pelle und galt viele Jahre lang als „guilty pleasure“, da ihr alle möglichen fragwürdigen Bestandteile nachgesagt wurden. Es war unter anderem von Kuheutern, -augen und –ohren die Rede.

Der „Keuringsdienst van Waarde“, ein niederländisches TV-Verbrauchermagazin, hat sich auf Forschungstour begeben und herausgefunden, daß bis in den 80er Jahren tatsächlich noch Hühnerhaut und Kuheuter in der frikandel verarbeitet wurden, Tieraugen und -ohren aber nie. Ab den 80ern hatte die fleischverarbeitete Industrie etwas neues herausgefunden: Kipseperatorvlees – also Hühnerseperatorfleisch. (Schade, daß mir das beim Scrabble kein Gegner durchgehen lassen wird. Paßt das Wort überhaupt noch auf’s Brett?)

Dieses  „Seperatorfleisch“ ist das Fleisch, was beim Hühnchen noch an den Knochen sitzt, wenn die Schenkel und das Filet für den separaten Verkauf abgetrennt wurden. Diese Reste werden maschinell vom Knochen getrennt, zusammen mit Schweinefleisch,Gewürzen und Paniermehl sehr fein gemahlen, geformt und tiefgekühlt –fertig ist die frikandel.

frikandel „XXL“

So gesehen ist die frikandel also eine sehr hochwertige Resteverwertung, und die hohe Kunst liegt eigentlich darin, sie zu formen und möglichst schnell einzufrieren, ohne daß sie in Stücke bricht. Über den Verarbeitungsprozess gibt es Filme auf Youtube, die allerdings ausschließlich in Niederländisch kommentiert sind. Wenn die noch ungefrorenen frikandellen über das Fließband schlittern – fragen Sie mich bitte nicht nach meinen Assoziationen.

Nachdem die frikandel als Snack etabliert war, entstanden auf deren Grundlage neue kreative kulinarische Kombinationen. Durch die Würstchenform ergaben sich ganz neue Möglichkeiten der Dekoration auf einem Kombi-Teller! Das populärste Beispiel dafür sind – abhängig von der Region – „fritjes catamaran“ bzw. „fritjes waterfiets (Wasserfahrrad)“: Pommes in die Mitte, je eine frikandel rechts und links davon – und schon kann der Katamaran in See stechen.

fritjes catamaran

Nach der frikandel als kulinarischem Snack-Höhepunkt werde ich nun – bildlich gesprochen – die Friteuse beiseite schieben und mich zukünftig weniger öligen Themen widmen. Wie wär’s denn mal mit was Süßem?

Bildquellen

bbr

Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.