Schauen Sie doch mal rein…

In unregelmäßigen Abständen machen die Harlekine Werbung für interessante Bücher und kommentieren dabei auch nebenbei den Autor. Diesmal haben wir Steven Pinker mit seiner letzten Veröffentlichung: «Aufklärung jetzt» Ein Bekenntnis für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt (ISBN: 978-3100022059) ausgewählt.

Steven Pinker, Jahrgang 1954, studierte Psychologie in Montreal und an der Harvard University. 20 Jahre lang lehrte er am MIT in Boston und ist seit 2003 Professor für Psychologie an der Harvard University. In der Forschung beschäftigt er sich überwiegend mit Sprache und Denken. Er war »Humanist of the Year 2006«, das »Time Magazine« zählt ihn zu den »100 einflussreichsten Menschen in der heutigen Welt«.

Just in der Zeit der „alternativen Fakten“ macht Pinker eines anschaulich klar: Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt sind weiterhin unverzichtbar für unsere Zivilisation. Der Grund: die Aufklärung und ihr Wertesystem.

Dafür wird er begeistert von Linken und Konservativen attackiert. Mal erklären sie die Aufklärung zur Schuldigen für Rassismus und Imperialismus oder es wird angeprangert, dass sich unter den „angeblichen Aufklärern“ (Männern und Frauen des 18. Jahrhunderts), doch auch Rassisten, Sexisten, Antisemiten und Sklavenhalter befunden haben. 

Ja, das ist natürlich richtig. Allerdings verschweigen die Kritiker dabei, dass diese Verbrechen so alt sind wie die Menschheit. Doch erst im 18. Jahrhundert erkannten humanistische „Vor-Denker“ dies als moralisches Problem – und leider wurden in mehr als 200 Jahren immer noch nicht alle bekehrt/aufgeklärt. Sexisten, Antisemiten und Sklavenhalter gibt es immer noch, aber es sind deutlich weniger geworden und sie befinden sich auch nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft.

Sapere aude! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Nicht ganz einfach, wenn TV-Entertainment und die Signale der Werbung einen an die Couch „fesseln“.

Ja, Pinkers Bücher sind regelmäßig Bestseller und er spricht auch gerne und häufig in großen Hörsälen. Er formuliert provokante Ansichten und kann diese auch noch eloquent einem breiten Publikum verständlich machen. Damit ist man im Wissenschaftsbetrieb schnell nicht mehr elitär genug. Aus der Sicht der weniger erfolgreichen Kollegen ist man dann ins Populärwissenschaftliche abgerutscht und zieht sich allein dafür schon ätzende Kritik zu. Das ist menschlich, zeigt ein bisschen Neid, ist damit nicht entschuldigt aber doch verständlich.

Schon diese bunte Schar an Kritikern machte Steven Pinker für mich interessant. Wer so viel Neid und Aufmerksamkeit auslöst, der schwimmt bevorzugt gegen den Strom.

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