Nimm eins, zahl eins, mach zwei draus? Nix da…

In meinem letzten Beitrag habe ich etwas über Kryptowährungen und Blockchain geschrieben, dabei aber nur angedeutet, wofür man Blockchains überhaupt verwenden kann und was die grundlegenden Neuerungen der Blockchain-Technologie ist. Für mich ist es die Tatsache, dass endlich das Double-Spend Problem gelöst ist – und das transparent und ohne Vertrauen in eine zentrale Instanz haben zu müssen.

Doch was heißt das jetzt im Detail? Double-Spend lässt sich am leichtesten wie folgt erklären: Wenn Ihr in der echten, analogen Welt ein Buch kauft[1], dann zahlt Ihr 1x Buch und bekommt dafür 1x Buch[2]. Und auch nur Ihr besitzt das Buch physisch. Wenn Eure Nachbarn das auch lesen wollen, weil Ihr darüber schwadroniert habt, wie toll das Buch ist… Tja, dann müsst Ihr es „verleihen“, also weggeben – dann hat’s Euer Nachbar. Es gibt also nur eine „Instanz“ vom Buch, es sei denn Ihr kopiert es selbst und verteilt es dann (das blenden wir jetzt aber mal bitte aus, bevor wir noch den Axel machen 😊).

Meine Rechte – Deine Rechte

Im Digitalen ist das anders, wenn Ihr online ein E-Book 1x kauft, dann bekommt Ihr 1x Datei. Diese Datei kann beliebig oft kopiert werden (was uns wieder zum Urheberrecht, Copyright etc. bringt). Das ist zwar beim analogen Buch genauso, aber um ein Buch analog zu kopieren, müsst Ihr Euch schon etwas anstrengen. Digital ist das erheblich einfacher: 4 Klicks oder 2 Tastenkombinationen entfernt habt Ihr schon ein zweites Buch „erzeugt“. Genau das steckt hinter dem Begriff „Double-Spend“ = doppelt spendiert. Der Online-Händler findet das sicher nicht lustig, wenn er Euch das Buch mehrfach spendiert, damit Ihr es auf Ebay weiterverkaufen könnt.

Bis zur „Erfindung“ der Blockchain war das ein riesiges Problem für digitale Güter, deshalb wurden Kopierschutzmechanismen ohne Ende erfunden (DRM ist nur eine dieser „Stilblüten“). Man versuchte also das Kopieren zu verhindern, logisch – genau dort liegt ja das Problem, oder?

„Single-Spend“ mit Blockchain

Eine Blockchain löst das anders: darin können tatsächlich Besitzverhältnisse abgebildet werden. Deshalb waren Kryptowährungen auch die erste große Anwendung von Blockchains: Geld und Double-Spend verträgt sich halt nicht. Wenn man aber digitalem Geld eine eindeutige Nummer geben kann und dann diese Nummer einer anderen eindeutigen Nummer (meiner Nutzerkennung bspw.) zuordnen kann? Und das verschlüsselt und dezentral auf ganz vielen Rechnern gespeichert, dann kann JEDER mittels geeigneter Software nachschauen, ob mir diese digitale Münze tatsächlich gehört. Und diese Münze zu kopieren ist mathematisch extrem aufwändig und nicht verhältnismäßig, das dahinterstehende Prinzip der Hash-Funktion möchte ich jetzt hier aber nicht im Detail erklären, das können andere auch gut.

… Kontrolle ist besser

Der entscheidende Trick von Blockchains ist in diesem Zusammenhang die verteilte Speicherung und Verarbeitung (im Fachjargon Konsensbildung genannt, vgl. auch Byzantinischer Fehler). Ein Beispiel dazu: Das Grundbuchamt ist eine typische zentralisierte Anwendung – wenn im Grundbuch drinsteht, das Grundstück gehört mir, dann ist das so. Also muss ich dem Amt vertrauen, dass es sicherstellt, dass niemand im Buch „rumfuscht“. Zustandsveränderungen daran gehen nur notariell – schon die zweite Instanz , der man jetzt vertrauen darf. Was wäre, wenn JEDER ein fälschungssicheres Abbild dieses Grundbuchs hätte? Und Einträge in dieses digitale Buch erst dann gemacht werden, wenn alle anderen mit einer Kopie sich einig sind, dass die Änderung rechtens ist? Analog unvorstellbar, digital ohne weiteres machbar: mit der Blockchain.

Das war also mein Versuch, in wenigen hundert Wörtern über die Idee hinter der Blockchain-Technologie zu schreiben. Was jetzt noch bleibt ist das Hauptproblem des Hypes gerade: Wir haben eine großartige Lösung, aber für welches Problem eigentlich? Eine Auswahl von Problemen und Lösungen zur Blockchain stelle ich nächstes Mal vor, bis dann…


[1] Die jüngeren unter uns werden das nicht kennen: Früher gab es sowas, dass nannte man Innenstadt. Da gab‘s öffentliche Häuser, in die konnte man einfach reingehen und da standen ganz viele Bücher aus Papier und so rum. Und die durfte man mitnehmen, also kaufen. Ohne DHL und Amazon und One-Click, einfach reingehen, anfassen, kaufen…

[2] Bitte kommt mir jetzt nicht mit Rabattaktionen und sonstigem Marketing-Gedöns…

Bildquellen

Ein Gedanke zu „Nimm eins, zahl eins, mach zwei draus? Nix da…“

  1. „Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem: Die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.“ – Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.