Kroketjes und Bitterballen

Nach dem Erscheinen meines  Beitrags „Mutproben – Das Essen“ wurde ich von deutschen Niederland-Reisenden gebeten, einmal ausführlicher auf die Besonderheiten der niederländischen Küche einzugehen. Einige kulinarische Angebote des Gastlandes sind für die deutschen Gäste sehr verwirrend.

Das gilt natürlich auch umgekehrt. Mein niederländischer Ehemann, der wie alle redlichen Menschen, die nicht gern kochen, normalerweise nie über das von anderen zubereitete Essen meckert, sagte einmal ganz entsetzt: „Also dass das deutsche Gesundheitsamt SOWAS erlaubt, kann ich nicht verstehen!“ Gegenstand dieses Kommentars waren damals Kartoffelklösse – aber dazu mehr im zweiten Teil.

Kehren wir jetzt erstmal zur niederländischen Küche zurück, und widmen wir uns zunächst der „kroket“, und ihrem kleinen Bruder, dem „bitterbal“. Bernd Stelter schrieb in einem seiner Bücher „Alles, was der Niederländer aus einer Fritteuse ziehen kann, hat eine nie gekannte Qualität.“ Und was der Niederländer aus der Fritteuse zieht, ist sehr vielfältig. In einer durchschnittlichen niederländischen Snackbar gib es so viele Variationen an zu frittierenden – nennen wir es mal – „Objekten“, dass man als Ausländer nur schwer die Übersicht behält. Am populärsten ist die kroket, von der Grösse her ein ernstzunehmender Imbiss. Der bitterbal ist eher ein Appetithäppchen und der Name wird abgeleitet vom in Niederland sehr beliebten Kräuterbitter, der gern dazu getrunken wird.

Kroket

Kroket und bitterbal bestehen aus einem Fleischragout (in zahlreichen Varianten), das im abgekühlten Zustand fest genug ist, um sich formen zu lassen. (!) Das Ragout wird zu Stäbchen oder Bällchen geformt, mit einer Panade (von der es ebenfalls zahlreiche Varianten gibt) versehen und kurz vor dem Verzehr frittiert. Dazu gibt es Senf.

Noch appetitlicher sieht es aus, wenn die kroket und das in ihr befindliche Ragout vor dem Verzehr gleichmässig auf der Schnitte Brot verstrichen wird – eine sehr verbreitete Gewohnheit…

In Bahnhofgebäuden in den Grosstädten kann man die Kroketten auch „aus der Mauer ziehen“, wo sie in einer Art „Brutkasten“ auf hungrige Passanten warten: https://de.wikipedia.org/wiki/Febo.

In Kneipen und Gaststätten wird oft eine „Bitterballen-Garnitur“ angeboten, mit verschiedenen Sorten bitterballen und – als vegetarische Variante – dem „kaassoufle“, meinem persönlichen Favoriten, der anstatt mit Ragout mit Käse gefüllt ist.

Es gibt wenig, das die Gruppe der deutschen Niederland-Besucher so sehr spaltet wie kroket und bitterbal: Die Fans lieben sie heiss, vermissen sie zuhause und nennen sie als einen wichtigen Grund, um regelmässig in die Niederlande zu reisen – und die Skeptiker schütteln sich angewidert. Und wenn es Menschen sind, die nicht gönnen können, verderben sie mit ihren Spekulationen, „was da wohl drin ist“ dem anderen Lager auch noch den Appetit.

Und nicht zu vergessen: Mit einem richtig frisch bereiteten bitterbal bekommt der Ausdruck „sich den Mund verbrennen“ eine ganz neue Bedeutung!

Im nächsten Beitrag werde ich mich einigen deutschen kulinarischen Genüssen widmen, die vielen Niederländern nicht ganz geheuer sind. Freuen Sie sich auf Kartoffelklösse, Flädlesuppe und Soleier!

Bildquellen

  • bitterballen – Pixabay: Bitterballen - Pixabay
  • kroket – Pixabay: kroket - Pixabay
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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Ein Gedanke zu „Kroketjes und Bitterballen“

  1. Nachdem mich die Privatsender mit Kochsendungen und opulenten Gerichten regelmässig fertig machen, ist diese Form der Berichterstattung mal wirklich „leichte Kost“. Bei Lafer und Co. nehme ich doch schon zu wenn ich zulange hinschaue, mit dieser Folterkammer des Essens ist das deutlich unproblematischer. Selbst wenn der Appetit mit dem Lesen nicht gleich vergeht, so entsteht beim Lesen doch eher Neugier und kein Bärenhunger. Könntest Du bitte den Beitrag als Serie bringen? Als ausgewogenes Gegengewicht zu Tim Mälzer, Lafer und dem gegrillten Hensler, – die Schrecken der europäischen Küche!? Du zeigst sehr schön die andere Seite von Haute Cuisine 😊 Danke …

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