Anarchistische Sommerfreuden mit Holzkohle

Meine Grill-Erfahrungen in den Niederlanden

In früheren Beitragen habe ich mehrmals die kulinarischen Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden behandelt – und auch bei der grössten aller Sommerfreuden, dem Grillen, gibt es diese. Die Unterschiede liegen allerdings weniger im kulinarischen, sondern eher im “weltanschaulichen” Bereich. Die Niederlander sind ein Volk der flachen Hierarchien, sie können es nicht leiden, wenn jemand mehr  “zu sagen hat” als alle anderen. Dies gilt sowohl in der Politik als auch im täglichen Leben, und ich vermute, dass auch das Königshaus deshalb so beliebt ist, weil deren Representantinnen und Representanten de facto recht wenig zu melden haben.

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Wahlkampf in den Kinder-Nachrichten


Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte als kleiner Junge

Vor einer Weile wurde in den Niederlanden gewählt – und wie in Deutschland auch hatte diese Tatsache in den Wochen vorher großen Einfluss auf alle Nachrichtensendungen und Polit-Talkshows im Fernsehen, bei denen man als Zuschauer mit recht konstruierten und ermüdenden Wortgefechten konfrontiert wurde. Die Gemengelage ist in den Niederlanden schon allein dadurch etwas unübersichtlich, dass nicht wie in Deutschland zwei oder drei, sondern vier oder fünf Parteien nötig sind, um eine Regierung zu bilden (von inzwischen insgesamt 18 (!) Parteien, die im Parlament vertreten sind).  

Eine wohltuende Abwechslung zu all den Talk-Runden war das niederländische “Jeugdjournaal” – das Jugend-Journal. Das ist eine tägliche Nachrichtensendung für Kinder, deren Fan ich wurde, als ich vor Jahren begann, die niederländische Sprache zu lernen. Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs größten Parteien waren drei Tage vor dem Wahltag dort zu Gast, und außerdem natürlich Kinder (diesmal Corona-bedingt nur ein Dutzend).

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… bis zum Verlust der Muttersprache

Um das von Anfang an klarzustellen: In diesem Beitrag geht es nicht um exzessiven Alkoholgebrauch! Diesmal ist tatsächlich genau das drin, was draufsteht.

Vor etlichen Jahren kam eine ehemalige Kollegin und immer noch gute Freundin von mir, die als Französin in Deutschland lebt, morgens völlig schockiert ins Büro. Sie erzählte mir, dass sie am selben Morgen mit ihrer Mutter in Frankreich telefoniert hatte und im Verlauf des Gesprächs erzählen wollte, dass sich sich einen neuen Bademantel gekauft hat. Aber das französische Wort für “Bademantel” fiel ihr nicht ein! Sie war sehr erschrocken darüber und fürchtete, nun ihre Muttersprache zu vergessen.

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… dann muss ich ja immer an Prinz Charles denken!

Namen sind mehr als Schall und Rauch

Als sich bei uns ein weiteres Enkelkind ankündigte, wurden mein Mann und ich zu möglichen Vornamen nach unserer Meinung gefragt. Aufgrund der in den Niederlanden und in Peru ansässigen Verwandtschaft des Kindes sollte es eine Name sein, der in beiden Ländern bekannt ist und in beiden Sprachen einfach auszusprechen. Auf der Liste stand unter anderem „Camilla“ – und ich war diejenige, die sich wegen der oben genannten Assoziation dagegen aussprach.

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Lass deine Stirn ganz weich werden…

Da „Indoor“-Gruppensport im Moment nicht möglich ist, habe ich mich notgedrungen – und zunächst ohne große Begeisterung – auf YouTube nach Yogakursen umgeschaut. Fündig wurde ich bei einer jungen Frau aus Berlin, die sehr gut erklärt und deutlich sehen lässt, worauf es bei den einzelnen Übungen ankommt. Für mich ein echtes Happy End – inzwischen ist „Yoga mit Tablet“ ein erfreulicher (und wohltuender) Bestandteil meines Alltags geworden.

Allerdings habe ich nach den ersten Kursen festgestellt, dass die Blockaden, die ich überwinden musste, weniger körperlicher als sprachlicher Art waren. Mit Aufforderungen wie „Lass deine Stirn ganz weich werden“ hatte ich gewisse Schwierigkeiten, denn was ich mir auch von Yoga erhofft hatte – eine weiche Birne war es nicht.

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Läufer, Tanker, Schwebebalken und vieles, vieles mehr

Über Metaphern in der Politik

Auf metaphorischer Ebene wurde den Fernsehzuschauern  in den Niederlanden in dem letzten Monaten einiges geboten, insbesondere während der regelmäßig stattfindenden Pressekonferenzen zum Thema Corona. Ministerpräsident Mark Rutte und „Corona-Minister“ Hugo de Jonge geben sich sehr viel Mühe, um die Bürgerinnen und Bürger ihres Landes von der Dringlichkeit der Lage zu überzeugen. Dabei ist der Zweck zwar löblich, aber die Mittel sind etwas verwirrend.

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Die Kunst der Bäume

Seit vielen Jahren bin ich leidenschaftliche Museumbesucherin und es ist kaum eine Ausstellung bizarr genug, um mich abzuschrecken. Freunde mit sogenannten „Nischeninteressen“ schätzen das sehr, wenn sie nicht allein gehen möchten, denn ich sage auch dann noch begeistert ja, wenn das restliche soziale Umfeld nur angewidert den Kopf schüttelt. „Videoinstallationen aus den 70ern? -Aber natürlich!“ „Die Sonderausstellung im Mikroben-Museum? – Sicher komm ich mit!“ „Die Entwicklung des Webens im Spannungsfeld der industriellen Revolution? – Klasse! Wann gehen wir?“

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Internationale Beziehungen – rein privat

In vergangenen Beiträgen habe ich über internationale Zusammenarbeit auf Firmenebene geschrieben. Doch auch auf rein privatem Niveau gibt es einiges dazu zu sagen. In meiner Familie und im Bekanntenkreis bin ich nicht die einzige, die in ein anderes Land gezogen ist, um mit dem Partner zusammenzuleben. Und bei einem Erfahrungsaustausch mit anderen „Betroffenen“ (um es mal so zu nennen!)  habe ich interessante Parallelen entdeckt.

Beim Umzug in ein anderes Land muss man einen großen Teil des persönlichen Erfahrungsschatzes erstmal „auf Null“ setzen. Man weiß nicht, welches der beste Stromanbieter, Baumarkt oder Produzent von Eiscreme ist und verlässt sich bei der Einschätzung erstmal auf die einheimische Partnerin oder den Partner. Auch wenn es um die lokalen Gewohnheiten und Verhaltensregeln geht, ist der Partner der erste Ratgeber – was einem bösen Überraschungen ersparen kann, aber auch allerlei Manipulationen Tür und Tor öffnet!

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Und zum Kaffee gibt’s – appeltaart, vlaai und poffertjes!

Bisher habe ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viele „herzhafte“ (und  meist fritierte!) Varianten der niederländischen  Küche vorgestellt. Heute geht es um den Nachmittag – und um die schöne Gewohnheit, zum Kaffee unterwegs ein Stück Kuchen zu bestellen.

Mein Kollege BCO, der uns im Februar in seinem Beitrag „Die Qual der Wahl“ an seinen traumatischen Erfahrungen bei der Speiseeisauswahl in der Ben& Jerry’s Fabrik teilhaben ließ, müßte in niederländischen Cafes seine helle Freude haben, denn häufig besteht die Auswahl lediglich aus „Appeltaart mit Sahne“ und „Appeltaart ohne Sahne“. So einfach kann das Leben sein!

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Schnappschüsse unterwegs

Das Harlekin-Team verabschiedet sich nun in die Sommerferien. Wir wünschen Ihnen und uns eine gute Zeit – und uns viele Inspirationen für neue Beiträge. Auch dieses Jahr wird während unseres Urlaubs jeden Freitag ein kurzer Beitrag erscheinen, diesmal unter dem Motto „Schnappschüsse unterwegs“. Hier der erste:

Wenn die Bäume Mundschutz tragen…

… dann bleibt man als Spaziergänger fasziniert stehen. Ich bin zu allen Jahreszeiten oft im Wald unterwegs, aber dieses Design der Natur hatte ich bisher noch nicht entdeckt.

Anscheinend geht auch die Natur mit der Zeit.