Alle lieben Irma!

Beim Austausch mit Freunden über die Corona-Maßnahmen in unseren Wohn-Ländern und die Art und Weise, wie diese an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert werden, habe ich festgestellt, daß wir hier in den Niederlanden einen Trumpf haben, den es so in keinem weiteren Land gibt: Wir haben Irma!

Irma Sluis ist die Gebärdensprache-Übersetzerin, die die Ansprachen des Ministerpräsidenten und der zuständigen Minister bei den Pressekonferenzen übersetzt. Das tut sieh mit Leib und Seele – und mit vollem Körpereinsatz. Und das führt wiederum dazu, dass niemand mehr auf Mark Rutte oder die Minister guckt, alle schauen nur noch auf Irma – denn da gibt es auch am meisten „Action“ zu sehen.

Legendär ist zum Beispiel ihre Darstellung des Begriffs „hamstern“, der nicht nur mit den entsprechenden Gebärden dargestellt wird – Irma schafft es sogar, dabei wie ein Hamster zu gucken. Und auch Irma’s Interpretation von „frische Luft schnappen“ (der Ausdruck in Niederland dafür ist „eine frische Nase holen“) wurde inzwischen von vielen hörenden Niederländern gefeiert, denn treffender kann man diesen Sachverhalt nicht ausdrücken.

Damit Sie selbst sehen können, was ich meine, hier ein Link zu Irma im Einsatz: https://www.youtube.com/watch?v=9l8bdKw3V50

Dieser  wurde selbst in der Heute-Show im ZDF entsprechend gewürdigt:
https://www.youtube.com/watch?v=e4g_BQUiHGw

(Irma’s Einsatz beginnt bei Sekunde 49!).

Bis vor einer Weile fanden die Pressekonferenzen noch jede Woche statt, und sie hatten natürlich gigantische Einschaltquoten. Als dann verkündet wurde, die Lage habe sich inzwischen soweit stabilisiert, daß wöchentliche Pressekonferenzen nicht mehr nötig seien, führte das zu allgemeiner Aufregung im Land. Natürlich freuten sich alle über das positive Zeichen, aber daß Irma nun nicht mehr wöchentlich auf dem Bildschirm erscheint, das geht gar nicht!

Inzwischen gibt es Hymnen auf Irma: https://www.youtube.com/watch?v=fCa3zvZCxEU

…und selbst Parodien.

Für die Niederländer war Irma Sluis ein Fels in der Brandung in schwierigen und bewegenden Zeiten. Ich denke, die gehörlosen und schlecht hörenden Bürgerinnen und Bürger der Niederlande wird ihre Popularität am meisten freuen. Wenn die ganze Nation nach Irma ruft, gibt es vielleicht bald im Fernsehen bei noch mehr Gelegenheiten live Übersetzungen in Gebärdensprache.

Bildquellen

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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Ein Gedanke zu „Alle lieben Irma!“

  1. Nachtrag der Autorin: Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung, dass für die grösste Meeresschleuse (auf Niederländisch „zeesluis“) der Welt, bij Ijmuiden in den Niederlanden, noch ein Name gesucht wird. Die Gemeinde und das zuständige Wassermanagement-Amt haben die Bürgerinnen und Bürger um Vorschläge gebeten. Und das Votum ist deutlich: Gewünscht wird, der Schleuse den Namen „Irma sluis“ zu geben!

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