Laßt uns Pommes holen!

Eine Entscheidungshilfe für hungrige Deutsche in den Niederlanden

Pommes-Frites-Fans haben es in den Niederlanden nicht immer leicht, denn die dort etablierten “Extras” zu den Pommes sind anders, als wir es von der durchschnittlichen deutschen “Pommesbude” kennen. Da wir die Lebenshilfe-Funktion unseres Harlekin-Blogs sehr ernst nehmen, möchten wir Sie auch hier bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Um bei der Basis zu beginnen: Pommes heißen in den Niederlanden “friet” oder “patat” (abhängig von der Region).  Pommes mit Mayonnaise (oder mit der kalorienärmeren “frietsaus”) werden schlichtweg als “friet met” bezeichnet. “Friet satésaus” sind Pommes mit Erdnuß-Soße, die ihren Ursprung in der sehr beliebten indonesischen Küche hat.

“Friet speciaal” sind Pommes mit Mayonnaise, Ketchup und  Zwiebeln. Sehr populär ist auch “patat oorlog” – was soviel wie “Pommes Krieg” bedeutet. Die Zubereitungsweisen für diese sind regional unterschiedlich, hier ein paar Varianten:

– Pommes mit Erdnuß-Soße und Mayonnaise (heißt in einigen Regionen auch “Patat flip”)
– Pommes mit Erdnuß-Soße, Mayonnaise und rohen Zwiebelstückchen
– Pommes mit Erdnuß-Soße, Mayonnaise, Curry und rohen Zwiebelstückchen

Der Name “Pommes Krieg” ist keineswegs historisch oder politisch beladen. Angeblich ist er entstanden, weil es bei dieser Zusammenstellung von Zutaten auf dem Teller wie auf einem Schlachtfeld aussieht ( – und das stimmt, es sieht so aus!). Deshalb sind auch alle wohlmeinenden Versuche gescheitert, als alternativen Namen “Pommes Frieden” populär zu machen.

An regionalen Varianten gibt es noch die “Patat Joppie” (das Rezept der dafür benötigten Joppie-Soße konnte geheimgehalten werden, geschmacksentscheidende  Zutaten sind Zwiebeln und Curry) oder “Patat Samurai” mit einer Soße aus Mayonnaise und Sambal (!).

Zusätzlich zu den Pommes+Soße-Kombinationen gibt es natürlich auch noch zahllose Kombinationen von Pommes mit anderen Snackbar-Klassikern – und davon noch mehr regionale Varianten. Die vielleicht berühmteste ist “Kapsalon” (Frisiersalon). Sie besteht aus Pommes, bedeckt mit Gyros-, Kebab- oder Hühnchenfleisch, darauf Käse. Das wird kurz unter den Grill gestellt, bis der Käse schmilzt, und dann evtl. mit Salat und  Knoblauchsoße oder Sambal vollendet.

Angeblich entstand  dieses Gericht 2003 in Rotterdam. Der Besitzer eines Frisiersalons ließ im türkischen Imbiss in der Nachbarschaft ein Lunchgericht nach seinen Wünschen und mit seinen Lieblingszutaten zusammenstellen. Da diese Bestellung häufig wiederholt wurde, bekam das Gericht den Namen “Frisiersalon” und verbreitete sich von Rotterdam aus im ganzen Land – und auch in Belgien.

Dieses Foto zeigt das „Kapsalon“ einer Snackbar in Hasselt, Overijssel.

Weitere Pommes-Gerichte, die die kulinarische Neugierde wecken, sind “Friet Waterfiets” (Wasserfahrrad), “Friet Catamaran” oder “Friet Leopard”. Um diese vorzustellen, muss ich Sie zunächst in das niederländische  Phänomen  “frikandel” einweisen. Weil ich denke, Sie haben jetzt erstmal – bildlich gesprochen – genug zu verdauen, kommt das vielleicht ein anderes Mal dran. Für heute nur soviel: Die frikandel hat keine Ähnlichkeit mit einer deutschen Frikadelle!

Und wenn Sie das nächste Mal die Niederlande besuchen: Eet smakelijk!

bbr

Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

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