Und zum Kaffee gibt’s – appeltaart, vlaai und poffertjes!

Bisher habe ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viele „herzhafte“ (und  meist fritierte!) Varianten der niederländischen  Küche vorgestellt. Heute geht es um den Nachmittag – und um die schöne Gewohnheit, zum Kaffee unterwegs ein Stück Kuchen zu bestellen.

Mein Kollege BCO, der uns im Februar in seinem Beitrag „Die Qual der Wahl“ an seinen traumatischen Erfahrungen bei der Speiseeisauswahl in der Ben& Jerry’s Fabrik teilhaben ließ, müßte in niederländischen Cafes seine helle Freude haben, denn häufig besteht die Auswahl lediglich aus „Appeltaart mit Sahne“ und „Appeltaart ohne Sahne“. So einfach kann das Leben sein!

Die niederländische appeltaart enthält – neben den Äpfeln natürlich – meist ziemlich viel Zimt und Rosinen und ich finde sie sehr lecker. Meine einzige Beschwerde ist, daß sie in vielen Cafes sehr, sehr kalt aufbewahrt und darum auch sehr kalt gegessen wird.

In einigen Regionen der Niederlande wird die Auswahl meist noch durch eine regionale Spezialität ergänzt. Reist man nach ’s-Hertogenbosch in die Provinz Brabant, gibt es zum Beispiel in jedem Cafe und in jeder Kneipe den „Bossche Bol“ – das ist eine Art Windbeutel, der in dunkle Schokolade getaucht und mit Sahne gefüllt wird. Der dafür benötigte Brandteig heißt in Niederland „soezenbeslag“ (gesprochen : Susen!), was sowieso schon sympatisch klingt!

Ist man in der Provinz Limburg unterwegs, wird man dort überall „Limburgse vlaai“ antreffen. Das ist ein flacher Kuchen aus Hefe- oder Mürbeteig, meist mit Ost und Teiggitter oder Streuseln. Vlaai wurde bereits im 12. Jahrhundert gebacken und wurde mit der Zeit im ganzen Land populär. Es gibt inzwischen auch moderne Vlaai-Varianten mit Sahne oder frischem Obst – aber eine echte Limburgse Vlaai muß mit allen ihren Bestandteilen gebacken werden, ohne daß nach dem Backen noch irgendwelche Zutaten daraufgestrichen, gespritzt oder gestreut werden.

Eine landesweite Spezialität sind die „Poffertjes“, die in Deutschland inzwischen auch bekannt sind, weil es auf den größeren deutschen Weihnachtsmärkten ebenfalls Poffertjes-Verkaufsstände gibt. Poffertjes sind eine Art Minipfannkuchen, wobei dem Pfannkuchenteig Hefe zugefügt wird, deshalb werden sie auch etwas dicker als ein normaler Pfannkuchen. Sie werden mit Puderzucker bestreut, außerdem kommt ein Stich Butter drauf – mein persönlicher Favoriet bei den süßen Versuchungen!

Zum Jahreswechsel ißt man oliebollen – und nun holen wir die Friteuse wieder hervor! Sie sind in etwa vergleichbar mit den deutschen „Berlinern“, aber ohne Konfitüre und dafür meist mit Rosinen. Sie werden mit Puderzucker bestreut und warm gegessen. Oliebollen haben eine lange Tradition in Niederland, das beweist auch das Gemälde des niederländischen Malers Aelbert Cuyp mit dem Motiv „Mädchen mit einem Topf Oliebollen“. Lt. Wikipedia ist dieses Bild ungefähr 1652 entstanden.

Gemälde „Mädchen mit Oliebollen“ des Dordrechter Malers Aelbert Cuyp (1620 – 1691)

Das erste Rezept erschien bereits in einem Kochbuch von 1667. Die Bollen waren auch damals schon eine Art Winter-Snack, da die Zutaten (Mehl, Hefe, getrocknete Früchte) auch im Winter vorrätig waren.

Ein Besuch unserer Nachbarländer ist ja nun wieder möglich. Wenn’s so weit ist, sind Sie gerüstet für die süßen Versuchungen – und vorbereitet für einen weiteren Beitrag über das niederländische Kleingebäck.

Bildquellen

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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

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