Multikulturelle Teamarbeit – Zeit-Zeichen

Wenn Sub-Teams an unterschiedlichen Standorten und in unterschiedlichen Ländern sind, macht das vieles einfacher – jeder bleibt wo er ist, in seinem/ihrem Kulturkreis, man hält Telefon- oder Videokonferenzen ab oder ruft sich gegenseitig an, wenn Kommunikationsbedarf besteht. Das klingt soweit ungefährlich, ist es aber nicht.

Jeder, der hin und wieder aus dienstlichen (z. B. Rufbereitschaft) oder privaten (z. B. Teenager-Kinder unterwegs) Gründen nachts sein Mobiltelefon neben dem Bett liegen hat, freut sich gar nicht, wenn Anrufe kommen nach dem Motto “Hattest Du schon Gelegenheit, die Email zu lesen, die ich Dir vor zwei Stunden geschickt habe?” Und es fühlt sich umgekehrt auch gar nicht gut an, erst durch die offensichtlich verschlafene Stimme des Gesprächspartners zu realisieren, dass es ja in Boston erst 3 Uhr nachts ist.

Der Respekt vor dem Tagesrhytmus des jeweils anderen Landes ist sehr wichtig. Deshalb ist es sinnvoll, das Team gleich zu Beginn der Zusammenarbeit entsprechend vorzubereiten. Gibt es gemeinsame Projekträume, sind mehrere Uhren an der Wand hilfreich, die die verschiedenen Zeiten anzeigen. Ansonsten hilft es auch, die Uhr am eigenen PC auf die andere Zeit umzustellen. (Ich selbst habe mit Teams in den Niederlanden, Grossbritannien, Indien und unterschiedlichen Zeitzonen der USA zu tun und benutze https://www.timeanddate.com/worldclock, diese Website ist sehr zu empfehlen!)

Es gibt aber noch andere Kleinigkeiten: So hat die amerikanische Sitte, bei den Uhrzeiten nur bis 12 zu zählen statt bis 24 und stattdessen in AM (morgens) und PM (nachmittags/abends) zu unterscheiden, schon tausende Europäer zur Verzweiflung gebracht. Dass die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt an anderen Terminen stattfinden als bei uns, kommt noch dazu.

Sind alle Teammitarbeiter an einem Standort, gibt es andere Hürden. Zwar bewegen sich dann alle in derselben Zeit, aber nicht unbedingt mit der gleichen Verbindlichkeit. Wenn für einige Teammitglieder des Landes A ein Meeting um 8.00 Uhr bedeutet, das auch um 8.00 Uhr angefangen wird und sie sich vielleicht noch beeilt haben, um pünktlich zu sein, kann es irritieren, wenn für die Teilnehmer des anderen Landes 8.00 Uhr anfangen bedeutet, dass man den ersten Kaffee holt und erstmal etwas Smalltalk macht, um sich bis 8.45 Uhr so allmählich an das Thema herangetastet zu haben…

Kommen Sub-Teams aus zwei oder mehr Ländern vorübergehend oder “für immer” an einem Standort zusammen, dann hat es sich bewährt, per Land einen “Kulturbeauftragten” zu benennen. Wenn diese zwei (drei oder mehr) Personen die Spielregeln zu Beginn miteinander absprechen und die Teammitglieder bei Fragen beraten, geht deutlich weniger schief.

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  • Harle-Kin II: uto
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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

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