Sozial Netzwerken – the „new comunication?!

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Harlekin Pierrot (Reinhard Vetters). Er ist Naturwissenschaftler und wir sind aufgrund der Namensgleichheit in Kontakt gekommen. Er schreibt über “das Leben, die Liebe, die Wahrheit und die Welt” und zu aktuellen Themen (Mehr dazu auf www.harlekinpierrot.com).

Es gibt Facebook, Twitter und noch viele andere „soziale Netzwerke“. Wir benutzen Sie inzwischen selbstverständlich – aber wissen wir, was wir tun? Soziale Netzwerke, hat man die nicht schon im wirklichen Leben? Ich vermute schon, denn wir als Menschen interagieren mit unserer Umwelt mehr oder weniger gut – also „Netzwerken“ wir auch. Aber das Fremde, das Anonyme, es reizt, …

Nun gut, ich, als neugieriger Mensch, bin auch in der virtuellen Welt unterwegs, denn man will sich ja nicht verschließen – oder auch Inspirationen suchen. Austausch mit „virtuellen“ Menschen ist ja anders als in der realen Welt. Viele lassen dort schnell die Maske der „guten“ Erziehung fallen! Manchmal erschreckend, wie gepöbelt und diffamiert wird. Manchmal bis zu einer juristischen Auseinandersetzung – das hat nichts mehr mit „sozial“ und „Netzwerken“ zu tun!

Aus dieser ersten Anonymität schälen sich dann die einzelnen Persönlichkeiten heraus, mit denen man interagiert und kommuniziert. Es ergeben sich Gespräche, die oft kurz, aber manchmal auch länger sind – häufig an der Oberfläche auf der Ebene des „Small Talk“, unterhaltend wie in der Kneipe oder am Strand. Manchmal entstehen aber auch fruchtbare, lange Dialoge, aus denen sich soziale Beziehungen ergeben – die sogar im realen Leben münden. So wird dann aus dem „virtuellen“ Gegenüber nicht nur eine Kommunikation, sondern ein Mensch, mit dem man wirklich interagiert!

Und trotzdem oder auch deswegen: In dieser seltsamen Zeit der „sozialen Distanz“ war (und ist es noch) ein spannendes Feld, mit vielen unterschiedlichen Menschen zu interagieren und neue Eindrücke zu bekommen. Wenn man startet, legt man sich einen Avatar an, ein zweites Ich, damit man eben doch ein wenig anonym bleibt. Vielleicht deswegen ist man dann offener – eine spannende Frage – und beginnt sich in diesem Umfeld zu bewegen, erst (wahrscheinlich) vorsichtig und bedacht, dann immer forscher und gezielter formuliert man und präsentiert man sich – immer auf eine Antwort wartend, damit der „Faden“ nicht reißt.

Während des Probierens und Kommunizierens fallen mir hier sehr unterschiedliche Arten von Menschen auf, sicherlich sollte ich nicht einteilen und jeden Menschen individuell sehen. Nur hier fällt mir manchmal besonders schwer, jeden für sich zu sehen, denn es zeigen sich doch unterschiedliche Strömungen und Richtungen, wie einem die „Timeline“, also die Informationen bzw. der Verlauf präsentiert wird.

Für mich gibt es klassisch fünf Typen, natürlich mit vielen verschiedenen Grautönen dazwischen, die sich so in einem Netzwerk aufhalten:

Erstens die politischen Meinungsbildner und konsequent ihrer Haltung treu bleibenden, die hier deutlich ihre Meinung artikulieren. Sie sind in ihren Aussagen forsch und hart, manchmal wenig einsichtig – Diskussionen sind hier, je nach politischer Richtung, oft die Folge – und nicht alle sind hier offen für Individualität und freie Meinungsäußerungen!

Zweitens die Menschen, die nur für ihre Unterhaltung auf einer solchen Plattform sind und eigentlich mitschwimmen, oft auch Menschen suchen und direkt erwarten, hier einen Traumpartner zu finden … Hier ist Kommunikation erst ein „Small Talk“ und dann eine Anmache, die, in meinen Augen, nicht wirklich angenehm ist – und es ist hier egal, von welchem Geschlecht ausgegangen wird!

Der dritte Typus, für mich, sind Menschen, die aus ihrem Alltag berichten, manchmal selbstironisch und humorig, manchmal aber dadurch gerade auf Missstände hinweisen, die in unserer Gesellschaft herrschen. Hier sind oft lange und auch interessante Gespräche die Folge, die einen Einblick in das Leben dieser Menschen geben, man erfährt Dinge, die bewegend sind – für mich oft ein Anlass zum Nachdenken!

Die vierte Art, die „Gutmenschen“, die die Welt verbessern wollen mit ihren Ideen – oft dann am „Bashing“ scheitern und danach sehr enttäuscht dem Netzwerk den Rücken zuwenden. Meistens ist es schade, denn diese Menschen bewegen wirklich etwas und werden leider oft von der fünften Kategorie, den Hatern oder Bashern niedergemacht.

So tummeln sich dann in der virtuellen Welt all diese Menschen und versuchen miteinander und gegeneinander zu interagieren, oft wird gestritten und aufeinander losgegangen, was im „normalen“ Leben nicht möglich ist, der Ton ist oft beleidigend und respektlos!

Oder es wird um Zustimmung gerungen, man möchte gefallen, sich beliebt machen, hier wird geschmeichelt und umworben!

Ist das eine wirkliche Art von Kommunikation?

Ich denke, für viele ist es die Art von Kommunikation, die sich neu entwickelt – man sieht ja alle meistens mit dem Blick auf ihr „Endgerät“, sich über Tweets oder Posts ärgern oder freuen – nur immer weniger wirklich kommunizieren! Es entsteht eben auch eine neue Art von Umgang miteinander. Über Avatare kann man sich leichter verstecken und verstellen – man muss lernen, alles neu zu bewerten. Manchmal führt es zu kuriosen Situationen, an denen wir merken, dass Avatare eben Avatare sind und nicht immer die Wunschmenschen, die wir uns erträumen!

Doch das heißt eben „Sozial Netzwerken“ – meistens sollte man das mit viel Humor und nicht zu ernst betreiben, sonst kann man sich dort nicht aufhalten – man wird überfahren und es zerstört die Persönlichkeit!

Im realen Leben besteht die beste Kommunikation – von Angesicht zu Angesicht! Und doch gibt es die andere Kommunikation: … Es reizt das Anonyme und doch ist das Reale spannend! Also, …

Trotzdem, manchmal ergeben sich aus solchen, erst wilden, anonymen Kontakten Gespräche und Ideen, die im Realen umgesetzt werden können – wenn sich die richtigen Avatare treffen und den Mut haben, die Anonymität zu verlassen und eine richtige Kommunikation aufbauen, die auf Ehrlichkeit, Offenheit und Augenhöhe basiert. Dann kann man von Netzwerken sprechen – probieren sollte man es auf jeden Fall, denn es wird ein Teil unserer zukünftigen Kommunikation sein!

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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

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