Sex, Drugs and Corona (Teil 2)

Anmerkung der Redaktion: Dieses sympathische Tier haben wir Ihnen bereits in 2019 mit dem Beitrag „Blamen, aber richtig“ vorgestellt. Für den folgenden Text fanden wir es passend, unseren „Sündenbock“ noch einmal aus dem Archiv zu holen!

Nachdem in Teil 1 dieses Werkes endlich die perfiden und demokratiefeindlichen Machenschaften um die Grossbrauereien-Mafia schonungslos aufgedeckt wurden, nun die angekündigte Fortsetzung.

Was hat Sars-Cov2 mit Schuld zu tun? Die Antwort lautet kurz und knackig: ich hege eine Vermutung.

Doch zunächst mal zu den faktischen Überlegungen. Wird die Pandemie zu Projektabbrüchen und -verschiebungen führen? Natürlich. Kann man jetzt schon beobachten. Kurzarbeit, verringerte Einnahmen und so weiter führen unweigerlich zu Umpriorisierungen von Vorhaben. Aber lassen sich nicht auch andere, nicht unmittelbar auf das Virus zurück zu führende Probleme dahinter verstecken? Aber so was von! Die Vermutung liegt nahe, dass «das neuartige Virus» als Erklärung für so allerlei Pech, Versäumnisse und Unzulänglichkeit herhalten muss.

Was macht das Virus zu einem so wunderbaren Kandidaten für derartige Manöver? Es eignet sich besser als die ‘Vorsehung’, denn es ist konkret. Auch Abhängigkeiten zu anderen Projekten sind konkret und werden gern als Erklärung benutzt, sofern sich nur die kleinste Gelegenheit bietet, vom eigenen Projekt abzulenken. ‘Externe’ sind ebenfalls erstklassige Objekte der Schuldzuweisung, sind sie doch mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann weg. Allerdings hat das Virus Riesenvorteile gegenüber den Erwähnten: Es kann sich nicht gegen die Schuldzuweisung wehren und befindet sich nicht nur ausserhalb der eigenen Organisation, sondern sogar jeglicher Organisation. Die Gefahr der Wiederbegegnung (jenseits des medizinischen) ist Null. Keine Nachteile zu erwarten.

Darüber hinaus eignet sich das Virus auch auf jeder Hierarchiestufe als Schuldzuweisungsobjekt, jedenfalls deutlich besser als die Vorsehung oder andere Katastrophen. Orkane, Überschwemmungen und die Dummheit an sich mögen auch geeignete Kandidaten sein, haben jedoch im Vergleich zum Virus den Nachteil, dass ihnen eine gewisse Vorhersehbarkeit innewohnt, zumindest was die zu erwartende Dauer der Schuldzuweisung betrifft. Ok. Dummheit ist dafür ein unpassendes Beispiel. Nichts desto trotz kann es zwar Wochen und Monate dauern, bis die Folgen solcher Naturkatastrophen überwunden sind, aber mögliche 2. Wellen, Verlängerung der Kurzarbeit usw. geben die Möglichkeit der Schuldzuweisung in die Zukunft hinein. Anerkannte und akzeptierte Unvorhersehbarkeit mit Ansage. Ach, wie schön ist Panama. Alle getroffenen und auch zukünftigen Entscheidungen haben, zumindest für einen erklecklichen Zeitraum, keine persönlichen Konsequenzen.

Und das bringt mich jetzt zum zweiten Aspekt der Betrachtung: Konsequenzen des eigenen Handelns. Der betrunkene Autofahrer wird im Falle eines Unfalls zur Rechenschaft gezogen, der Segler, der trotz schlechten Wetters rausfährt, läuft Gefahr zu ertrinken. Beispiele dieser Art finden wir zuhauf. Aber wie verhält es sich zum Beispiel im Wirtschaftsleben? Ist nicht ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Manager und einem Unternehmer, dass ein Unternehmer in der Regel die Konsequenzen seines Handelns trägt, während Manager sich selbst gegen die rechtlich vorgesehenen Haftungsmechanismen durch Versicherungen schützen (können)? Ist es gutzuheissen, dass Firmen für eine völlig verfehlte Firmenpolitik in der Vergangenheit später staatliche Zuschüsse erhalten, um diese auszubügeln (z.B. Landesbanken und Automobilhersteller)?

Wollen wir es (weiterhin) als Gesellschaft zulassen, dass Menschen (für uns) Entscheidungen treffen, die von den getroffenen Entscheidungen selbst nicht betroffen sind, also deren Konsequenzen nicht (mit)tragen müssen? Für einige Bereiche wird das so sein müssen. Ärzte zum Beispiel müssen über Tod und Leben entscheiden können, ohne vom gleichen Schicksal bedroht zu sein, warum erklärt sich denke ich von selbst. Aber um zu meinem Spezialthema zurückzukommen, wie sollte das in Projekten geregelt sein? Sollten Projektleitung und Projektteam für durch sie getroffene Entscheidungen ‘haftbar’ gemacht werden? Führt das letztendlich dazu, dass gar keine Entscheidungen mehr getroffen werden, oder könnte das zu besseren Entscheidungen führen? Wie könnten Modelle aussehen, die beides miteinander in Einklang bringen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Diskussionen geführt werden sollten und möchte unsere Leserschaft dazu einladen.  Als kleinen Anreiz biete ich dem ersten Mitdiskutierenden ein Stück der besten Schweizer Schokolade in Geschenkverpackung. Aber ich möchte auch damit beginnen, die Konsequenzen meines Schreibens zu tragen. Daher folgende Wette: Sollte es zu einer weiteren unerwarteten Verschiebung der Eröffnung des «neuen» Berliner Flughafen kommen, weiss ich schon, wer schuld ist. Sollte es nicht dazu kommen, wird es als «trotz Sars-Cov2» gefeiert werden. Und der erste Leser, der aufzeigen kann, dass im Falle von BER weder das eine noch das andere eingetreten ist, erhält ebenfalls ein Stück besagter Schoggi. Bitte per Kommentar melden (Harlekine sind ausgeschlossen, die bekommen das auch so).

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rge

Autor: rge

Hallo, ich bin Rüdiger Geist, der rge.harlekin vom Zürichsee. Als Politikwissenschaftler verlor ich sehr schnell den Glauben an Rationalität und den homo oeconomicus. Also suchte ich mir was Handfesteres und Logischeres: die Informatik. Feste Regeln, unmittelbares Feedback vom Compiler und nicht viel mit Menschen zu tun haben. Ihr erahnt es schon, es kam ganz anders. Schnell wurde ich zum Projektleiter ernannt, hörte sich auch toll an, wusste aber nicht so genau was das eigentlich ist. So nach etwa drei Jahrzehnten im Umfeld von Projekten meine ich nun zu wissen worum es da geht und so trage ich nun meine Erkenntnisse seit 2005 mittels eigenem Unternehmen in die Welt hinaus, ja sogar in die EU. Es gibt so viele schöne Zitate, die die unterschiedlichsten Facetten des Projektmanagements beschreiben und ich nutze sie gerne. Aber das beste stammt natürlich von mir selbst: Der Zweck des Projektmanagement ist «no surprises».

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