Lauer Sekt und laue Ansprachen – die Firmen-Weihnachtsfeier

Im Laufe meines Arbeitslebens habe ich an vielen – und unterschiedlichen – Firmen-Weihnachtsfeiern teilgenommen: Bei Tee und Plätzchen im Büro, mit Pizza und Spielen in der Kantine, am Würstchenstand auf dem Weihnachtsmarkt, in einem eigens angemieteten kleinen Theater (inklusive Vorstellung) und beim großen Ball im „ersten Haus am Platze“. Die Gästezahl schwankte zwischen 5 und mehreren hundert, und qua „Outfit“ war von Jeans bis zur Abendrobe alles dabei.

Doch was alle Weihnachtsfeiern gemeinsam hatten, war natürlich die Ansprache des Managements. Oft lastet diese Ansprache bereits seit Oktober auf den Schultern der auserwählten (oder dazu zwangsverpflichteten) Manager. Wobei es auch noch unterschiedliche Strategien nach sich zieht, ob das vorangegangene Geschäftsjahr erfolgreich oder nicht erfolgreich war.

Im ersten Fall ist darauf zu achten, dass der Redner oder die Rednerin es mit der Prahlerei nicht übertreibt – weil sonst im Januar die Belegschaft geschlossen ankommt und Gehaltserhöhungen verlangt. Und wer will das schon? Im zweiten Fall sollte man in der Ansprache nicht zuviel Asche auf die Häupter streuen, sonst artet unter Umständen die Weihnachtsfeier in ein depressives Massenbesäufnis aus – was ja auch nicht Sinn der Sache ist.

Deshalb bleiben nach weniger erfolgreichen Geschäftsjahren die Manager lieber auf der sicheren Seite und orientieren sich an Politikern nach verlorenen Wahlen oder Fussballtrainern nach dem verlorenen Spiel. Sie sagen dann, dass es „noch zu früh für eine abschließende Beurteilung ist und nun erstmal gründlich analysiert werden muss, woran es denn gelegen hat.“ Das geht immer und ruiniert zumindestens nicht völlig das Fest.

Nicht alle Manager sind geborene Redner, und ich habe schon erlebt, daß Wetten abschlossen wurden über die Frage, wer wohl dieses Mal stellvertretend die pointenreiche Rede geschrieben hat. Das Einschalten eines firmeninternen Ghostwriters birgt aber auch gewisse Risiken, denn falls doch spontan reagiert werden muss, gilt das schöne Zitat von Dieter Hildebrandt „Man kann nur aus dem Ärmel schütteln, was drin ist.“

Bei größeren Festen finden die Ansprachen häufig zwischen den Gängen des 5-Gänge-Menüs statt. Da sich Servieren + Essen + Zuhören + Klatschen insgesamt über mehrere Stunden hinziehen kann, ist die Auswahl geeigneter Tischnachbarn von nicht zu unterschätzender Bedeutung!

Sind die Ansprachen vorbei, beginnt meist der ungezwungenere Teil des Abends, je nach unternehmenskultureller Ausprägung mehr oder weniger feucht-fröhlich oder besinnlich.

Das Spielen bei der Weihnachtsfeier habe ich bisher nur in den Niederlanden erlebt – mit kleinen Belegschaften bis zu 20 Personen. Jeder muss 3 kleine Geschenke mitbringen (eins aus Eigenbesitz oder „Second Hand“, ein selbstgemachtes und ein neu gekauftes, das nicht mehr als 3 Euro kosten darf) und diese mittels liebevoller Verpackung unkenntlich machen.

Diese Geschenke kommen alle in die Mitte eines Stuhlkreises und dann wird reihum mit einem großen Schaumstoff-Würfel gewürfelt. Wer eine 6 gewürfelt hat, darf sich ein Geschenk aussuchen, packt es aus und stellt es unter seinen Stuhl. Sind alle Geschenke verteilt, werden bei jeder gewürfelten 6 Auftragskärtchen gezogen. Auf denen steht dann „Du darfst ein Geschenk Deiner Wahl vom linken Sitznachbarn wegnehmen“, „Du musst Deinem dritten Sitznachbar links eines Deiner Geschenke geben“ oder auch „Der/die älteste, jüngste, größte, kleinste darf einer beliebigen Person ein Geschenk wegnehmen“ und so weiter. Die Möglichkeiten sind reichhaltig! Ich erinnere mich noch lebhaft an den Abend, an dem die leidenschaftliche Jagd des Kundenservice-Managers und der Facility-Kollegin auf ein pinkfarbenes Schminktäschchen in ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen ausartete – was noch wochenlang begeistert kommentiert wurde.

Am Ende des Abends geht man manchmal mit sehr überraschenden Dingen nach Hause. Aber die kann man ja – wiederum nach niederländischer Sitte – am nächsten Königstag auf dem Flohmarkt verkaufen.

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Firmen-Weihnachtsfeier!

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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Ein Gedanke zu „Lauer Sekt und laue Ansprachen – die Firmen-Weihnachtsfeier“

  1. Liebe Beate,
    wie kommst Du dazu zu behaupten, der Sinn läge nicht in einem Massenbesäufnis? Haben die Dich da in den Niederlanden denn völlig umgedreht?

    Lieben Gruss

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