Konsequenz

Heute einmal nichts zum Thema Sprache, sondern zum Thema Konsequenz. Das kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie ‘Folgerichtigkeit’ und bezieht sich auf die Handlungen einer Person. Das Gegenteil ist Inkonsequenz. Also wenn eine Person in einem Fall etwas tut, was in einem anderen Fall unterlassen wird.

Sind Raser*innen inkonsequent, wenn sie nicht immer schnell fahren? Und was ist mit Trunkenkbold*innen? Müssen die immer betrunken sein? Müssen Intelligenzbestien*innen immer schlaue Sachen von sich geben?

Ich bin der Meinung, dass Schwerverbrecher*innen auch mal nur Kosmetika klauen und Serienmörder*innen auch mal was ausser der Reihe machen dürfen, was generell für alle Bösewichter*innen gelten sollte.

Von Entführer*innen wurde berichtet, dass trotz gescheiterter Geldübergabe inkonsequenterweise die Geisel freigelassen wurde. Von Sklavenhändler*innen ist solches Verhalten nicht überliefert. Und aus alten Filmen wissen wir, dass Häuptling*innen auch nicht immer konsequent handeln. Mal Kriegsbeil raus, mal nicht.

Auch im Umfeld des Sportbetriebs stellt sich die Frage nach der Konsequenz. Müssen Hooligans*innen und andere Rowdys*innen auch immer gleich Rassist*innen sein? Und dürfen Feminist*innen auch Fussballfan*innen sein?

Und wie verhält sich das mit Autodieb*innen? Sind das üblicherweise Bandenmitglied*innen, oder einfach nur Nichtsnutz*innen? Manche Freudian*innen glauben hierauf eine Antwort parat haben, aber was ist schon anderes von solchen Stubenhocker*innen zu erwarten.

Wirklich konsequent sind Freimaurer*innen. Verschwiegenheit ist eines ihrer höchsten Gebote. Was man nun wirklich nicht von Verschwörungstheoretiker*innen, Egozentriker*innen und Plaudertaschen*innen behaupten kann.

Konsequenz – die weibliche Gegenrede

Nach dem ersten Lesen des Beitrags „Konsequenz“ habe ich meinem geschätzten Harlekin-Kollegen RGE sogleich eine „weibliche Gegenrede“ angekündigt. Denn natürlich geht es in seinem Text doch um Sprache, und zwar um eine sehr umstrittene Ausprägung. Die geschlechterneutrale Formulierung ist ja bereits seit Jahrzehnten in der Diskussion, und von den bisherigen Lösungsideen hat keine uneingeschränkte Begeisterung hervorgerufen – weder das grosse I in der Mitte, noch das *, noch die von mir gerne verwendete Doppelnennung („liebe Leserinnen und Leser“).

Ich verstehe sehr gut, dass dies alles gewöhnungsbedürftig ist, und beneide oft die Bürgerinnen und Bürger englischsprachiger Länder, die es aufgrund des einen neutralen Artikels „the“ auch bei den Substantiven einfacher haben. Dort hat jede und jeder, die/der nicht Single ist, „a partner“ – ob nun männlich oder weiblich. Aber „der – die – das“ lässt sich im Deutschen nicht mehr verändern, das ginge zu weit.

Als ich Ende der 80er zum ersten Mal in einem IT-Unternehmen arbeitete, wurde ich dort mit den fachspezifischen Ausprägungen der männlichen Sprachdominanz konfrontiert – beginnend beim „Handbuch für den Anwender“ und endend bei den für die Kalkulation verwendeten „Mann-Tagen“. Ich habe mich insgeheim gefragt, ob das Kalkulationsergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn „man“ in Frauentagen kalkuliert hätte, aber na ja. Da es damals ja auch noch den Begriff der „Master-Slave“-Technologie gab (heutzutage glücklicherweise echt nicht mehr vorstellbar) hat sich meine Fassungslosigkeit erstmal darauf konzentriert.

Um das Problem zumindest vorläufig aus der Welt zu schaffen, habe ich einen kreativen Vorschlag: Schluss mit den I‘s, * und so weiter! Ihr habt ja recht, Männer! Es sieht nicht gut aus, der Finger haut auf der Tastatur doch immer daneben, so dass die &- und (-Zeichen dann anschliessend wieder aus dem Text herauskorrigiert werden müssen – und was der einleuchtenden Argumente mehr sind.

Wir können das doch viel einfacher regeln! Nach Jahrhunderten männlicher Sprachdominanz verabreden wir jetzt einfach mal „Die nächsten hundert Jahre weiblich!“ Das bedeutet, bis 2121 nennen wir alle Dinge beim weiblichen Namen: Benutzerinnen, Virologinnen, Autodiebinnen und so weiter. Keine unpraktischen Sonderzeichen, sondern einfach ausgleichende Gerechtigkeit! Und in 2121 einigen wir uns dann wieder auf etwas anderes! (Nur schade, dass RGE und ich dann nicht mehr bei der Debatte dabei sind!)

Und noch ein Tip: Die „Bestien*innen“ sind sowieso unnötig! Denn Bestien waren zu allen Zeiten schon geschlechterneutral!

Herzliche Grüsse! BBR

Bildquellen

Autor: rge

Hallo, ich bin Rüdiger Geist, der rge.harlekin vom Zürichsee. Als Politikwissenschaftler verlor ich sehr schnell den Glauben an Rationalität und den homo oeconomicus. Also suchte ich mir was Handfesteres und Logischeres: die Informatik. Feste Regeln, unmittelbares Feedback vom Compiler und nicht viel mit Menschen zu tun haben. Ihr erahnt es schon, es kam ganz anders. Schnell wurde ich zum Projektleiter ernannt, hörte sich auch toll an, wusste aber nicht so genau was das eigentlich ist. So nach etwa drei Jahrzehnten im Umfeld von Projekten meine ich nun zu wissen worum es da geht und so trage ich nun meine Erkenntnisse seit 2005 mittels eigenem Unternehmen in die Welt hinaus, ja sogar in die EU. Es gibt so viele schöne Zitate, die die unterschiedlichsten Facetten des Projektmanagements beschreiben und ich nutze sie gerne. Aber das beste stammt natürlich von mir selbst: Der Zweck des Projektmanagement ist «no surprises».

Ein Gedanke zu „Konsequenz“

  1. Diesen Artikel ins Englische zu übersetzen war schlichtweg unmöglich. Durch das universelle „the“ ist das Gendern im englischen Sprachraum weniger kritisch. Für Berufe, wo es geschlechtsspezifische Varianten gibt, tendiert man neulich zum Neutralen: „actor“ statt „actress“. Statt „he“ oder selbst „he or she“ verwendet man häufiger „they“.
    Was aber früher mich als Engländer viel mehr gestört hat, ist die Zuordnung von Geschlechtern in Fremdsprachen. Warum ist ein Tisch oder ein Stuhl männlich aber eine Liege weiblich? Ist es schmeichelhaft oder sogar logisch eine junge Frau (Mädchen) als sächlich zu bezeichnen? Und hat man diese Systematik irgendwann einigermaßen gemeistert, stellt man fest, dass diese in einer anderen Sprache ganz anders funktioniert. Plötzlich sind Tische und Stühle in Frankreich weiblich und Liege männlich (divan). Zum Glück sind Mädchen weiblich – vive la difference! Ja, die Sprache werden mit schlauen Auslegungen kommen: historisch so gewachsen, Verkleinung ist auch im Niederländischen sächlich. Ist das letzte eigentlich nicht gegen Kleinwüchsige diskriminierend? Wer hat das so entschieden, dass sie als Ding abgekanzelt werden?

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