It don’t mean a thing if it ain’t got that swing

Musik als Lernprozess

It don’t mean a thing…“ – Dieser Standard von Duke Ellington brachte den Swing Feel, von dem die Jazzmusik lebt, auf den Punkt. Das Gespür für die Zeit im Jazz gibt zweierlei Hinweise: Neben der Rhythmik eines Musikstücks, wie beispielsweise Swing, erfordert es eine lange Zeit, um ein Instrument zu beherrschen. Für die Führung bedeutet dies, eine Organisation stets in kreativer Spannung zu halten und ermutigend zu neuen Ideen zu begleiten – das ist hohe Kunst für Führungskräfte. Die emotionale Intelligenz der Teammitglieder kann ggf. bedeutsamer sein als die intellektuellen Einzelleistungen von Spezialisten. Den Raum und die Gelegenheiten dazu zu schaffen, erfordert den Blick aus dem Alltag heraus. Virtuos zu führen braucht Zeit.

Die Welt der Hochtechnologie fordert, neue Innovationen zu erzeugen und zu gestalten, um die Überlegenheit von Unternehmen zu gewährleisten. Eine einmal erfolgreiche Technologie reicht nicht aus, um dauerhaft eine Marktposition zu halten. Auch Führungskräfte können sich individuelle Fertigkeiten aneignen, wie das Führen guter Gespräche mit Mitarbeitern –niemals wird ein und dasselbe Gespräch zweimal zu führen sein. Doch in der Grundstruktur, den Themen, den Gesprächspartnern treten Ähnlichkeiten auf. Der Umgang mit vergleichbaren Situationen wird zur Routine, wenn sie trainiert werden. Um Standards aus dem Führungsalltag zu beherrschen, hilft die Reflexion; denn „live“ kann nicht wiederholt werden, weder als Jazzer noch als Führungskraft.

Struktur und Freiraum

Spielen Jazzmusiker ein Stück, haben sie eine klare Struktur, die aus einer festgelegten Folge von Takten, Harmonien und Abläufen besteht. Innerhalb dieser bewegt sich jeder flexibel und nutzt seine Kreativität. Selbst aus alten, bekannten Stücken entwickelt sich Neues, Innovatives. Deshalb gibt es von Jazzstücken viele Interpretationen. Wettbewerb unter Musikern ist nicht zerstörerisch – dient der Inspiration. Ideen werden aufgenommen, in die Improvisationen eingebunden – so entsteht die hohe Kunst der Kommunikation.

Auch Führungskräfte agieren in vorgegebenen Strukturen, bleiben flexibel, um auf Veränderungen einzugehen. Das angemessene Maß an Struktur für Mitarbeiter lässt diese in bekanntem Rahmen agieren und Neues entstehen; dazu gehört auch, Kontrolle abzugeben. Erfolgreiche Leader erkennen und erhalten die Balance flexibler und starrer Strukturen, letztlich nur aus dem innerlichen Begreifen: „Wenn ihr es nicht fühlt, werdet ihr es nicht erjagen.“ (Goethe)

Improvisation als Organisationsmodell

Jazz ist Improvisation, bedeutet Risiken einzugehen und das Unvorhergesehene zu wagen. Dieses intuitive Improvisieren kann jedoch erst aufgrund gemachter Erfahrungen und trainierter Fertigkeiten entstehen. Die CD „Kind of Blue“ von Miles Davis ist die wohl bekannteste Zusammenstellung verschiedener Stücke und Beleg für improvisierendes Zusammenspielen basierend auf höchster individueller Kompetenzen der einzelnen Spieler.

Führungskräfte haben mit unterschiedlichen Personen und Projekten zu tun. Sie schöpfen aus einem Repertoire, aus Erfahrungen und Training. Wie gehen sie mit Komplexität, Unsicherheit und Veränderung um? – Sie nutzen intuitiv gelernte Fertigkeiten. Welche in entsprechenden Situation angemessen sind, sagt die bisherige Bühnen- bzw. Business-Erfahrung.

Jazzmusik ist harmonisch, obwohl die Bandmitglieder spontan während der Aufführung improvisieren. Ein vorzügliches Modell also für modernes Management in turbulenten Zeiten! Der Jazz basiert im übertragenen Sinne auf einem „Organisationsmodell“, von dem Führungskräfte lernen können.

Gastbeitrag von Christoph Henties, den wir Ihnen bereits am 31.5. etwas ausführlicher vorgestellt haben

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Autor: hfi

Hallo, ich bin Heike Fillhardt, der hfi.harlekin aus dem Rheingau. Ich leite und begleite seit Anfang der 90er Jahre Veränderungsprozesse in internationalen Unternehmen im Rahmen von Reorganisationen, Fusionen und Leitbildumsetzungen. Dabei vertraue ich auf die Kraft der Gruppe und arbeite nach dem Grundsatz: es gibt immer eine Lösung, egal wie lange es dauert. Viele Führungskräfte empfinden sich als „lonesome hero“ – ein Bild, das sich – wem auch immer sei Dank – endlich auch in Deutschland zu verändern scheint. Und ich freue mich über jedes Projekt im Rahmen von Agilität. Neben Erfahrungen aus dem klassischen Projekt- und Changemanagement bringe ich auch breites systemisches Methodenwissen ein. Ich bin Scrum-Master und Leadership Agility Coach. Erkenntnisse aus meinen verschiedenen physio- und psychologischen Ausbildungen fließen ebenso in mein Wirken ein wie meine Erfahrung als Dozentin und Mutter. Ich wirkte 14 Jahre als Managementberaterin, Coach und Trainerin in verschiedenen Unternehmen. Seit 2007 bin ich selbständige Beraterin mit eigener Coachingpraxis. Seit 2012 bin ich Kung-Fu-Schülerin. Und im Laufe der Jahre flossen immer mehr Körperübungen in meine Workshops und Trainings ein. Denn nur wer sich bewegt, ist auch langfristig erfolgreich. Meine Kunden schätzen vor allem das Umsetzen der theoretischen Themen in Spiel und Körperübungen, meine systemische Sicht auf das ganze Feld, das schnelle Einstellen auf situative Bedürfnisse, meine klare und wertschätzende Sprache und die konsequente Zielverfolgung.

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