Das Ende der Welt – oder doch nicht?

„Factfulness“ von Hans Rosling

Es wäre einfach, unseren Blog mit Geschichten und Beiträgen zu füllen, die eigentlich nur noch deprimieren. Als kleine Kostprobe wären da: Klimawandel, Populismus, Flüchtlinge – und unser Verhalten dazu, politische „Führer“, Fake-News, Hassreden, Ressourcen-Verschwendung, Straßenkriminalität, gefährdete Arten, Heuschrecken in Afrika, Kindesmissbrauch, Hunger, Diskriminierung, Fettleibigkeit, Brexit, Plastik in Walmägen – und natürlich Trumps Unfähigkeit, auch nur einen Satz ohne die Worte „wunderbar“ oder „schön“ zu formulieren und jetzt noch ein fieser Virus. Es reicht zum Auswandern- nur wohin????

Falls auch Sie diese vage Sehnsucht nach „Luftveränderung“ spüren, dann könnten Sie – ganz ohne Reiseaufwand – mit dem Buch von Hans Rosling ihre Chance auf neue Perspektiven und Erkenntnisse nutzen.

Hans Rosling (1948-2017) war schwedischer Leiter der Abteilung für Internationale Gesundheit am Karolinska-Institut und Berater der WHO und der UNESCO, sowie Mitbegründer von „Ärzte ohne Grenzen“. In diesem Buch verbindet er seine Erfahrung über die Weltgesundheit mit grundlegenden Fakten der Statistik.

Klingt zwar etwas trocken und langweilig – aber schauen wir mal.

Sein Buch „Factfulness“ beginnt mit 13 Multiple-Choice-Fragen, die Ihre Wahrnehmung der Welt auf die Probe stellen: „1996 wurden Tiger, Riesenpandas und Spitzmaulnashörner als bedroht eingestuft. Wie viele dieser drei Arten sind heute noch stärker gefährdet?“ oder „Die UNO sagt voraus, dass die Weltpopulation bis 2100 um weitere 4 Milliarden Menschen zunehmen wird. Was ist der Hauptgrund?“ oder „In den letzten 20 Jahren hat der Anteil der Weltbevölkerung, der in extremer Armut lebt …“. Praktisch alle richtigen Antworten werden Sie verblüffen, denn sie sind positiv und optimistisch. (Ich möchte Ihnen Ihre Erfahrung mit dem Buch allerdings nicht verderben, daher werde ich Ihnen hier keine Lösungen verraten).

Rosling reiste durch die Welt und stellte jungen und alten Menschen, Politikern, Vorstandsmitgliedern von Unternehmen, Studenten, Otto Normalverbraucher und Experten ähnliche Fragen und alle schnitten schlechter ab als eine Vergleichsgruppe von Schimpansen.

OK, das ist ein wenig populistisch und nur seine Sicht der Dinge, aber er meinte, selbst wenn man die Antworten gewürfelt hätte, wären immer noch 30 % richtig gewesen. Mit anderen Worten, man musste sich schon anstrengen, so viel falsch zu machen!

Der Kern von Roslings Botschaft ist, dass

a) unsere Wahrnehmung der Welt häufig falsch ist und

b) dass dieser Unsinn ein System hat.

Er spricht von den 10 Instinkten, die unsere Sicht der Dinge prägen. Danach denken wir irrational in „DIE“ und „WIR“, animiert durch all die populistischen Nachrichten, die wir jeden Tag mitbekommen und zusätzlich „angefeuert“ von Lobbyisten, die von Horrormeldungen sogar noch profitieren.

Wir wollen das nicht, doch auch wir gieren nach neuen Zahlen zur Ausbreitung der Virusinfektion und hätten akut wenig Verständnis für eine durch und durch positive Meldung in UNSEREN Medien wie: „Gestern wurden 16.254 äthiopische Babys gesund und ohne Komplikationen geboren“. Gähn …

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts gibt es weltweit 160.000 identifizierte Fälle von Covid-19, von denen sich 76.000 bereits erholt hatten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich etwa 7,65 Milliarden Menschen bisher nicht infiziert haben.

Um die Zusammenhänge aus einer anderen Perspektive zu sehen, identifiziert er vier Ebenen des Lebensstandards und setzt sie in Relation zu Mobilität (keine, Fahrrad, Motorrad, Auto), Wasserversorgung, Kochen und Nahrung. Im Ergebnis zeigt sich, so der Autor, „dass heute die große Mehrheit aller Menschen auf den Ebenen 2 und 3 verteilt ist, mit einer Bandbreite des Lebensstandards, wie sie Menschen in Westeuropa und Nordamerika in den 1950er Jahren hatten.

Vielleicht ist es nicht das, was wir uns unter Mittelklasse vorstellen, aber diese Menschen leben nicht in extremer Armut. Ihre Mädchen gehen zur Schule, ihre Kinder werden geimpft, sie leben in Zwei-Kind-Familien, und wenn sie ins Ausland wollen, dann nicht als Flüchtlinge, sondern um Urlaub zu machen.

Schritt für Schritt, Jahr für Jahr wird unsere Welt ein bisschen besser.“(*)

Rosling sieht in einer korrekten, vernünftigen Verwendung von Statistiken einen Weg, unsere erschreckenden Fehleinschätzungen auszuräumen.

Darüber hinaus gibt er Ratschläge, wie wir das, was uns in den Medien begegnet, aus der richtigen Perspektive betrachten können – und das nennt er „Factfulness“. Im Deutschen vielleicht am besten mit dem Begriff „Wirklichkeitsnähe“ zu übersetzen. Aber machen Sie sich ein eigenes Bild, lesen Sie dieses Buch!

(*) eigene Übersetzung des englischen Textes

Englischer Originaltext: BCO
Deutsche Übersetzung: UTO

Bildquellen

  • ExLibris-f9: uto
  • Factfullness: bbr
bco

Autor: bco

Hallo, ich bin Bernie Cornwell, der bco.harlekin. Wie schon meine Signatur-Kappe unten suggeriert, bin ich Wirtschaftsflüchtling aus England und seit der Brexitabstimmung Wahlexilant. Über Umwege via Sprachunterricht und Sozialarbeit bin ich bei der IT gelandet. Ich war in die Technik total verknallt und nach meinem ersten Realisierungsprojekt bei einer Berufsgenossenschaft habe ich mich als Business Analyst und Projektleiter sukzessiv immer weiter von der Technik entfernt… Inzwischen verdiene ich mein Brot als Berater, Trainer und Coach im Projektgeschäft in jeder beliebigen Branche. Mein Hintergrund und meine Reiselust führen mich überwiegend zu Einsätzen in der ganzen Welt oder/auch bei multikulturellen Unternehmen im deutschen Sprachraum. Mit den Jahren hat sich meine berufliche Einstellung wesentlich geändert. Früher Missionar in der Sache des methodischen Vorgehens, sehe ich mich nun eher als Lebenshelfer im Projektumfeld. Das Arbeiten in einem Projektteam kann lehrreich, stimulierend und begeisternd sein; es soll weder Mission Impossible noch Himmelskommando sein. Projekte können der beste Ansatz sein, Innovation, Wirtschaftlichkeit und reizvolles Arbeiten zu fördern. Warum lieben Projektleiter den „surrealistischen“ Dilbert? Weil er tägliche Projektsituationen darstellt, die wir wiedererkennen. Und weil sie leider recht realistisch sind.

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