Ehrlich währt am längsten? Über Feedback-Gespräche, Reviews und Mitarbeiterbeurteilungen

Im Unternehmen finden halbjährlich Mitarbeiter-Beurteilungsgespräche statt, die dokumentiert werden. Die Protokolle werden den Personalakten zugefügt. Als diese Gespräche erstmalig von einer niederländischen Führungskraft mit amerikanischen Mitarbeitern durchgeführt wurden, reagierten diese zum Teil mit Entsetzen darauf, dass sehr offen benannt wurde, wenn Ziele nicht erreicht worden sind oder die Fehlerquote zu hoch war. Nach einem Gespräch mit der früheren amerikanischen Führungskraft wurde deutlich, wo das Problem lag. Er erklärte, dass es im amerikanischen Mutterhaus nicht üblich sei, Negatives im Beurteilungsgespräch zu benennen. Wo es Kritik gibt, würde halt weniger gelobt als bei den anderen. Das bedeutet, ein Feedback wird im Stil eines deutschen Arbeitszeugnisses formuliert. Im konkreten Fall also: “You did a fantastic job!”, “…a very good job” oder “a good job”.

In einer Telefonkonferenz mit der Führungskraft, den amerikanischen Mitarbeitern und einem der Human Ressource Mitarbeiter wurde dies diskutiert und man einigte sich letztendlich darauf, dass die Gespräche “the Dutch way” geführt werden können, aber die Dokumentation für die Personalakten “the American way” gestaltet wird.

Dieser Sprachgebrauch lebt immer noch unter den Kollegen: “The Dutch way” steht für deutliche Worte und den Finger auf der Wunde, “the American way” für freundlichen, motivierenden Sprachgebrauch und nur sehr vorsichtig angedeuteter Kritik.  Wenn ich zwei amerikanische Kollegen miteinander sprechen höre und sie vereinbaren einen Termin, um über ein Problem “The Dutch way” zu reden, ist das für mich ein schönes Beispiel für die Chancen der internationalen Zusammenarbeit. – Auch hier ist Transparenz der Schlüssel zum verständnisvollen Umgang miteinander.

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  • 10/18: uto
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Autor: bbr

Hallo, ich bin Beate Brinkman, der bbr.harlekin. Ich bin Redakteurin und Autorin für den Harlekin.Blog e.V. im “Hauptberuf” international Supervisor in einem IT-Unternehmen. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmässig mit der Führung und Organisation internationaler Teams und mit den “Risiken und Nebenwirkungen” multikultureller Teamarbeit. Ich lebe seit 15 Jahren in den Niederlanden und habe festgestellt, dass schon allein die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern ein ganzes Buch füllen können (und auch bereits füllen – ein sehr amüsantes Beispiel dafür ist das Buch “Auf Heineken könn wir uns eineken” von Kerstin Schweighöfer). Weil in dem Unternehmen, für das ich tätig bin, mit den Jahren auch noch Unternehmensstandorte in USA und Indien dazugekommen sind, gab es im Themenumfeld multikultureller Teamarbeit ständig mehr zu entdecken. Und es wurden dadurch natürlich auch mehr Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Ein Gedanke zu „Ehrlich währt am längsten? Über Feedback-Gespräche, Reviews und Mitarbeiterbeurteilungen“

  1. Ein wirklich interessantes Thema. Wir hatten bspw. vor Kurzem Elternabend in der 2ten Klasse und da tauchte tatsächlich auch das Wort „(gemeinsame) Zielvereinbarung“ auf. Wow hab ich gedacht, wir bringen unseren Kindern sogar schon die „richtige Motivation“ bei..
    Ich habe hingegen Zielvereinbarung immer als Pest empfunden, da meist aus den Fingern gesaugt, wenig zielgerichtet, nicht verknüpft mit anderen Aktivitäten, usw.. Vielleicht mangelte es aber auch „nur“ an der Kommunikation – wie habt Ihr das empfunden? Und habt Ihr positive Beispiele von Zielvereinbarungen erlebt? Wenn ja, wie wurden diese gestaltet?

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