Du darfst so bleiben, wie Du bist! – ?

hfi.harlekin

Der Trainer hat im Seminar eine Transfer-Übung organisiert, damit die teilnehmende Führungskraft das über Tage Gehörte und Gesagte in seine Arbeitswelt übertragen kann. Leider klappt dieser Transfer nicht immer zur Zufriedenheit aller. Die Führungskraft nimmt sich vor, besondere Punkte am eigenen Verhalten zu verändern, effizienter sich selbst zu organisieren oder neue Methoden einzuführen. Aber das funktioniert nicht so, wie idealerweise im Seminar ausgedacht.Dann war oft das Umfeld „Schuld“, das sie daran hinderte, das Neue anzuwenden. Doch das ist zu kurz gedacht.

Grundsätzlich glaube ich, dass eine Fortbildung keine Persönlichkeit ändern kann. Die wenigsten Seminare und Trainings sind wirklich geeignet, um tiefgreifende Verhaltensänderungen zu bewirken. Ein Input neuer Inhalte, ergänzt durch Diskussionen, Übungen und Rollenspiele, gepaart mit Reflexionen können nur eine oberflächliche Wirkung bei Menschen erzielen. Vielleicht wird ein Teilnehmer zum Nachdenken angeregt durch geeignete Impulse. Aber zum veränderten Handeln? Dazu braucht es mehr.

Um wirkliche Veränderungen im Führungsalltag zu bewirken, braucht es einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ der Führungskraft. Hier sind die wesentlichen Schritte dazu:

  1. Es braucht einen eindeutigen Willen, das beobachtete Verhalten auch ändern zu wollen. Laut Duden geht das Wort „wollen“ auf die Wurzel „uel“ „wollen, wählen“ zurück, der auch das Adverb „wohl“ entstammt.  Wollen und wohl gehören also zusammen. Doch „Ins Wollen kommen“ ist oft die größte Hürde. Denn was wir wollen und was uns „wohl“ täte, scheint nicht immer dasselbe.
  2. Veränderung bedeutet, eine „Probezeit“ mit sich zu vereinbaren. Auf diesem Weg sind Fehler unvermeidlich. Lernen impliziert Rückschläge und „Ehrenrunden“. Durch Selbst-Feedbacks und Selbst-Erkenntnis komme ich meinen „Fehlern“ auf die Schliche. Am besten funktioniert der „Vertrag mit mir selbst“, in dem ich mein Verhalten auf den Wirkungsgrad hin beobachte. Was erreiche ich mit diesem Verhalten bei mir selber, bei anderen, für den verantworteten Bereich? Was richte ich aus, was richte ich an? Es braucht Mut, sich selbst schonungslos den Spiegel vorzuhalten.
  3. Daher braucht die Führungskraft einen Sparringspartner, mit dem sie regelmäßig über ihre Erfolge (und Misserfolge) spricht und von dem sie Feedback (von außen) entgegennimmt. Dies kann z. B. ein Kollege auf der gleichen Ebene sein, dem die Führungskraft Vertrauen schenkt, oder ein guter Freund. (Das Thema „kollegiales Vertrauen“ wird an anderer Stelle ausführlich beschrieben.) Feedback von außen hilft, das eigene Selbstbild mit der Fremdsicht abzugleichen. Wo Selbst- und Fremdbild auseinander klaffen, ist spezifische Arbeit nötig, z. B. mit persönlichem Coaching.
  4. Ein guter Trainer und Coach unterstützt die Selbst-Erforschung, z. B. dadurch, dass er die notwendige Distanz zu Themen und Problemen behält. Durch professionelle Gespräche und Selbsterkenntnis unterstützende Aufgaben und Methoden werden die in der Tiefe verborgenen Haltungen, Glaubenssätze und Meinungen angeschaut und bearbeitet. Dabei steht einerseits das sachliche Ziel im Vordergrund, das der Klient mit dem Coaching erreichen möchte. Aber auch das Menschliche kommt nicht zu kurz. Die Führungskraft lernt, sich mit freundlichem Blick zu betrachten, zu bewerten und, wo möglich, zu verändern.
  5. Es braucht Zeit und Geduld, denn wirksame Verhaltensänderung geht einher mit mit gleichzeitiger Haltungsänderungen. Sich regelmäßig wenige Minuten am Tag Zeit zu nehmen für sich, z. B. durch Meditation, Yoga oder andere Körperübungen, Auseinandersetzung mit Kampfkunst, achtsame Atmung und andere Bewusstsein erzeugende Übungen unterstützen diesen persönlichen Wandel.
    Damit ein Diamant entsteht, braucht es Zeit und Druck, aber nicht Zeitdruck.

Jede(r) darf so bleiben, wie er/sie ist und wird das auch tun. Aber wenn bisheriges Führungsverhalten nicht die gewünschte Wirkung erzielt, bringen nur Veränderungswille, Feedback und Beständigkeit die ersehnte Veränderung.

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Autor: hfi

Hallo, ich bin Heike Fillhardt, der hfi.harlekin aus dem Rheingau. Ich leite und begleite seit Anfang der 90er Jahre Veränderungsprozesse in internationalen Unternehmen im Rahmen von Reorganisationen, Fusionen und Leitbildumsetzungen. Dabei vertraue ich auf die Kraft der Gruppe und arbeite nach dem Grundsatz: es gibt immer eine Lösung, egal wie lange es dauert. Viele Führungskräfte empfinden sich als „lonesome hero“ – ein Bild, das sich – wem auch immer sei Dank – endlich auch in Deutschland zu verändern scheint. Und ich freue mich über jedes Projekt im Rahmen von Agilität. Neben Erfahrungen aus dem klassischen Projekt- und Changemanagement bringe ich auch breites systemisches Methodenwissen ein. Ich bin Scrum-Master und Leadership Agility Coach. Erkenntnisse aus meinen verschiedenen physio- und psychologischen Ausbildungen fließen ebenso in mein Wirken ein wie meine Erfahrung als Dozentin und Mutter. Ich wirkte 14 Jahre als Managementberaterin, Coach und Trainerin in verschiedenen Unternehmen. Seit 2007 bin ich selbständige Beraterin mit eigener Coachingpraxis. Seit 2012 bin ich Kung-Fu-Schülerin. Und im Laufe der Jahre flossen immer mehr Körperübungen in meine Workshops und Trainings ein. Denn nur wer sich bewegt, ist auch langfristig erfolgreich. Meine Kunden schätzen vor allem das Umsetzen der theoretischen Themen in Spiel und Körperübungen, meine systemische Sicht auf das ganze Feld, das schnelle Einstellen auf situative Bedürfnisse, meine klare und wertschätzende Sprache und die konsequente Zielverfolgung.

Ein Gedanke zu „Du darfst so bleiben, wie Du bist! – ?“

  1. Wie kommentierte Karl Valentin diese innere Hürde so richtig?
    „Mögen hätte ich schon wollen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut!“

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