Der Herbst ist da – oder: Halloween im Führungsalltag (Teil 1)

Und mit fallenden Blättern, ausdauerndem Regen und kälteren Nächten kommt auch das Grauen… Als ich gestern gut gelaunt zu meinem Auto ging, war sie schon da! Sie wartete auf mich, unübersehbar, mitten auf der Tür zur Tiefgarage! Das ist meine Tür, wollte sie mir sagen. Am liebsten hätte ich ihr auch zugestimmt und wäre sofort wieder rücklings die Treppe hochgelaufen. Mein Atem wurde flach und mein Körper begann Bewegungen zu machen, die der Verstand für Unsinn hält, aber der Verstand hatte sich eh verabschiedet. Sie ahnen es: Auf der Tür saß eine Winkelspinne, auch Hausspinne genannt, insgesamt etwa 6 cm im Durchschnitt.

Warum erzähle ich Ihnen von meinen Ängsten?

Weil ich finde, dass es Zeit ist, Angst salonfähig zu machen. Angst ist eine zutiefst menschliche Regung, die uns leider manchmal Dinge tun lässt, die eigentlich keinen Sinn ergeben. In Unternehmen erlebe ich das öfter. Aber der Reihe nach.

Wie entsteht Angst?

Wir nehmen unsere Umwelt mit unseren Sinnen wahr. Rezeptoren schicken Impulse ins Gehirn, wo „innere“ Bilder des wahrgenommenen Objekts entstehen. Je nach unseren gesammelten Erfahrungen werden manche Objekte als Gefahr interpretiert. Angst entsteht über das limbische Gehirn, das für Gefühle verantwortlich ist. „Spezielle Bereiche des limbischen Systems, der Hippocampus und die Amygdala, auch als Mandelkern bezeichnet, veranlassen dann den Hypothalamus, die entsprechenden körperlichen Reaktionen zu initiieren. Der Hypothalamus bewirkt über Nervenbahnen im Nebennierenmark die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und Kortison. Das sympathische und das parasympathische Nervensystem werden aktiviert.“ (aus: https://www.angst-panik-hilfe.de/koerperreaktionen-angst.html )

Wer mehr über körperliche Reaktionen bei Angst wissen möchte, dem empfehle ich das Buch „Biologie der Angst“ von Gerald Hüther.

Was ist gut daran, Angst zu haben?

Ohne Angst hätte sich die Menschheit nicht weiterentwickelt. Angstempfinden macht uns aufmerksam, steigert unsere Wahrnehmung und bringt den Körper dazu, sich entweder der Situation zu stellen oder blitzschnell zu flüchten, je nachdem, welche Reaktion mein Überleben am ehesten sichert. Soviel zur eigentlichen Aufgabe von Angst.

Und was ist nicht gut daran, Angst zu haben?

Nun leben wir ja nicht mehr in Zeiten der direkten Bedrohung durch Säbelzahntiger oder andere Jäger. Manchmal ängstigen wir uns, obwohl keine wirkliche Gefahr besteht. Und je nach Typ entwickeln wir unterschiedliche unbewusste Muster, mit Ängsten umzugehen:

Die einen werden aggressiv zu anderen und / oder zu sich selbst und die anderen flüchten. Im Berufsalltag sind dies alles keine angemessenen Verhaltensweisen. (Mehr zu Copingstrategien bei Angst: https://www.business-wissen.de/artikel/topmanager-wovor-sich-fuehrungskraefte-fuerchten/ )

Unter Schauspielern gilt der Satz: Lampenfieber bin ich meinem Publikum schuldig. Und wenn ich eine Großgruppen-Moderation leite, erlebe ich auch diese Aufregung vor dem Start, weil ich weiß, was alles in diesen komplexen Situationen passieren kann.

Das Unsichere, das Unvorhersehbare, die Katastrophenerwartungen machen uns Angst. Wir stellen uns vor, dass etwas passiert, das wir vermeiden wollen. Angst entsteht in unseren Köpfen, meist existiert noch kein Grund für Angst in der Realität.

Und in der nächsten Woche lesen Sie die Fortsetzung:
Wie gehen wir mit Ängsten um? Warum ist Angst ein so wichtiges Thema für Führungskräfte?

Ich freue mich auf Sie….

Bildquellen

hfi

Autor: hfi

Hallo, ich bin Heike Fillhardt, der hfi.harlekin aus dem Rheingau. Ich leite und begleite seit Anfang der 90er Jahre Veränderungsprozesse in internationalen Unternehmen im Rahmen von Reorganisationen, Fusionen und Leitbildumsetzungen. Dabei vertraue ich auf die Kraft der Gruppe und arbeite nach dem Grundsatz: es gibt immer eine Lösung, egal wie lange es dauert. Viele Führungskräfte empfinden sich als „lonesome hero“ – ein Bild, das sich – wem auch immer sei Dank – endlich auch in Deutschland zu verändern scheint. Und ich freue mich über jedes Projekt im Rahmen von Agilität. Neben Erfahrungen aus dem klassischen Projekt- und Changemanagement bringe ich auch breites systemisches Methodenwissen ein. Ich bin Scrum-Master und Leadership Agility Coach. Erkenntnisse aus meinen verschiedenen physio- und psychologischen Ausbildungen fließen ebenso in mein Wirken ein wie meine Erfahrung als Dozentin und Mutter. Ich wirkte 14 Jahre als Managementberaterin, Coach und Trainerin in verschiedenen Unternehmen. Seit 2007 bin ich selbständige Beraterin mit eigener Coachingpraxis. Seit 2012 bin ich Kung-Fu-Schülerin. Und im Laufe der Jahre flossen immer mehr Körperübungen in meine Workshops und Trainings ein. Denn nur wer sich bewegt, ist auch langfristig erfolgreich. Meine Kunden schätzen vor allem das Umsetzen der theoretischen Themen in Spiel und Körperübungen, meine systemische Sicht auf das ganze Feld, das schnelle Einstellen auf situative Bedürfnisse, meine klare und wertschätzende Sprache und die konsequente Zielverfolgung.

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