Mein Lieblingsmusikstück

Als stereotyper Zwilling fällt es mir schwer, eine bestimmte Sache als Lieblingsstück zu bezeichnen. Ein Musikstück hat mich jedoch nicht mehr losgelassen, seit ich es als Student zum ersten Mal hörte, und es bewegt mich immer wieder: das Adagietto, der 4. Satz von Mahlers 5. Symphonie. Die Musik wird dank ihrer Verwendung bei Kennedys Beerdigung und im Film „Tod in Venedig“ oft mit Trauer assoziiert. In Wirklichkeit war es ein Liebeslied an Mahlers zukünftige Frau. Es lässt mich atemlos zurück, wie Mahler eine abstrakte Melodie mit nur Streichern und einer Harfe, die von Moll nach Dur gleitet, sanft durchwebt, Melodieteile erst nach dem Dehnen des vorweggenommenen Tons auflöst und das Orchester anweist, sanft von weich zu klangvoll, melancholisch zu leidenschaftlich zu wechseln. Ein wunderbarer Ausdruck romantischer Sehnsucht.

Ein Wendepunkt? Oder machen wir einfach weiter wie die Lemminge?

Im gegenwärtigen Klima der Untergangsstimmung ist mir die Besonderheit unseres Dilemmas aufgefallen. Ich gehöre zu den ersten, die innerlich aufstöhnen, wenn ich schon wieder das Klischee „Das chinesische Wort für Problem ist dasselbe wie für Herausforderung“ höre. Tatsächlich haben meine Recherchen ergeben, dass das chinesischen Wort 问题 „wenti“ eigentlich Problem oder Frage bedeutet. Aber ich habe immer angenommen, dass es sich um einen weiteren dieser urbanen Mythen handelt, so wie die Inuit 357 verschiedene Wörter für Schnee haben sollen. Aber ich schweife ab…

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DNA-Detektive (Teil 2)

Facebook für Tote?

Für diejenigen unter Ihnen, die sich Sorgen um den Datenschutz machen: Die Forscher entscheiden selbst, ob sie ihren Stammbaum veröffentlichen wollen oder nicht. Die veröffentlichten Unterlagen geben keine Informationen über die noch lebenden Personen preis, es sei denn, Sie entscheiden sich dafür, sie an bestimmte Personen weiterzugeben. Die Archive geben keine Informationen über Geburten vor weniger als 110 Jahren, Eheschließungen vor 80 oder Sterbefälle vor 30 Jahren.

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DNA-Detektive (Teil 1)

Familienzuwachs – rückwirkend

Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Abonnementen auf Genealogie-Webseiten auf über 10 Millionen, und bis heute wurden etwa 30 Millionen DNA-Proben zur Analyse eingereicht. Die freie Zeit zu Hause – und vielleicht auch das Nachdenken über die eigene Sterblichkeit – scheint die Neugier der Menschen auf ihre Wurzeln angefacht zu haben. Im Jahr 2019 schrieb ich in „Big Brother is alive and living in Canada“ über meine Erfahrung, als ich durch einen DNA-Abgleich herausfand, dass ich einen Halbbruder habe. Seitdem habe ich mich weiter in die Vergangenheit meiner Familie vertieft und mittlerweile gibt es mehr als 6000 Namen in meinem Stammbaum. Ich stehe regelmäßig mit Menschen in Kontakt, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, die durch vermutete familiäre Verbindungen und die Leidenschaft, mehr über ihre Vorfahren zu erfahren, miteinander verbunden sind und häufig unzählige “Leichen im Keller“ entdecken.

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Digitaler Blues

Die Erfahrungen der letzten Wochen lassen mich an die beliebte deutsche Redewendung denken: „Warum einfach machen, wenn es auch kompliziert geht?“

Während der Rest der Welt mit der Digitalisierung beschäftigt ist, scheint es in der Bundesrepublik einige Widerstandsnester zu geben. Meine Krankenkasse – nennen wir sie Medisure – präsentiert sich gerne als effizient und kundenfreundlich. Ich war angenehm überrascht, als sie eine App einführten, mit der man eine mehrseitige Rechnung abfotografieren und zur Bearbeitung an sie schicken konnte, anstatt ein altertümlich aussehendes Formular mit Informationen handschriftlich auszufüllen, die sie größtenteils bereits besaßen. Ein Jahr später fügten sie die Funktion der E-Mail-Benachrichtigung hinzu, wenn eine Nachricht in der App eingegangen ist. Was kryptischerweise bedeutet, dass die App auch anzeigen kann, welche Erstattung sie gerade gewährt haben. Warum die App mir keine Benachrichtigung schicken kann, weiß ich nicht. Man wird mir wahrscheinlich sagen, dass es etwas mit der Datensicherheit zu tun hat.

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… bis zum Verlust der Muttersprache (Teil 2)

Leben in einer mehrsprachigen Umgebung

Harlekin Beate schrieb vor einiger Zeit über ihre Schwierigkeiten mit dem Sprachverlust. Ich bin sicher, dass viele unserer Leser den Kampf kennen, den wir mit der Beherrschung unserer Muttersprache haben, wenn wir längere Zeit im Ausland verbringen. Und je länger wir bleiben, desto „wurstiger“ wird es!

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Projektmanagement für interne Projekte – a Survival Guide

Ich freute mich über einen Vorstoß von Oliver F. Lehmann, der eine Projekttypologie vorstellte.  Dabei dokumentierte er auch mir schon bekannte Merkmale von internen Projekten. Denn als externer Berater erlebe ich, dass Unternehmen sich ganz anders verhalten, wenn ihre eigenen Mitarbeiter in den Fachabteilungen interne Projekte  durchführen.

„Macht einfach mal“ scheint es gut zu treffen.

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Spannung in der Mitte

Autor des folgenden Beitrags ist Michael Clark.  Jetzt, im Ruhestand, verfolgt er ein lebenslanges Interesse an Kommunikation.  Dies führte ihn zu Sprachstudien, zum Unterrichten von Sprache und trug viel zu seiner Arbeit als Business-Analyst bei.  Er hat die meiste Zeit seines Lebens in multikulturellen und mehrsprachigen Umgebungen in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet – zurzeit in Kalifornien.

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Internationale Beziehungen – rein privat

(Folge 2, Teil 2)

Man könnte sagen, meine Frau (die ich bei meiner Arbeit in Deutschland kennengelernt und ins niederländische Friesland entführt habe) und ich waren so lange von kulturellen Unterschieden umgeben, dass sie zur zweiten Natur geworden sind. In unserer Beziehung denken wir inzwischen selten an die Tatsache, dass sie in einem Land aufgewachsen ist und ich in einem anderen. Wir denken, dass wir nicht in die Stereotypen passen – andere sehen das vielleicht anders.

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